Der neue Simulator Safety and Security Trainer mars²

Der neue Simulator Safety and Security Trainer mars² von Rheinmetall Defence Electronics und die Verwendung in der Ausbildung

Alexandra Oesterle
Maritime Simulation Rheinmetall Defence Electronics GmbH


1 Einleitung

RDE hat in Zusammenarbeit mit der Firma MARSIG und mit fachlicher Beratung durch die Fachhochschule Flensburg einen neuen Simulator mars² entwickelt, der hier kurz vorgestellt werden soll.

Mars² steht für Maritime Safety and Security Trainer. Dieser Simulator wurde als Managementtrainer für Notfallmanagement konzipiert.

Ich möchte die Vorstellung mit einem Ausspruch beginnen:
You do things right
Because you have experience!

You have experience
Because you did things wrong!

Diese zwei Sätze verdeutlichen die jetzige Ausbildung in Bezug auf Notfallmanagement in weiten Teilen der Welt. Doch was früher vielleicht noch möglich war, ist aufgrund der geänderten Situationen und des gestiegenen Sicherheitsbewusstseins heute nicht mehr praktikabel. Das Thema Sicherheit gewinnt heute in der Seeschifffahrt zunehmend an Bedeutung. Hierbei kommt der Ausbildung mit Simulationsgeräten eine größere Bedeutung zu. Auf diese Anforderung hat das Haus RDE mit der Entwicklung der neuen Simulatorfamilie reagiert.

Was ist mars2?
mars2 ist das erste Simulatorkonzept mit dem das Notfallmanagement auf dem kompletten Schiff im Teamtraining ganzheitlich trainiert werden kann.

Doch was ist das Besondere an unserem neuen Simulator. Bisher wurde die Ausbildung für Notfallmanagement in die reguläre Simulatorausbildung integriert. Aspekte aus dem Bereich der Schiffsführung werden an Schiffsführungssimulatoren trainiert. Notfälle im Bereich der Maschine mit dem Schiffsmaschinensimulator Das gleiche gilt mit einem Liquid Cargo Simulator für den Bereich der Be- und Entladung eines Tankers.

Doch mit den bisherigen Simulatoren wird zwar Spezial Training durchgeführt, aber der ganzheitliche Trainingsgedanke für das Training der gesamten Crew für das Verhalten bei Notfällen stand bisher nicht im Vordergrund.

Der Ausbildungsstand im Bereich der Seefahrt in Bezug auf Notfallmanagement beinhaltet 2 große Blöcke Basistraining und die Ausbildung zum Wachoffizier.

Im Basistraining wir die praktische Handhabung und Benutzung von Feuerlöschern und Atemschutzausrüstungen, die Bedienung der Sicherheitseinrichtungen sowie die Bedienung des Rettungsbootes trainiert. Ebenfalls sind die Überlebensregeln ein wichtiger Bestandteil dieser Ausbildung.

Diese Kenntnisse werden im praktischen Training und durch Berufserfahrung vermittelt.

Für die Ausbildung zum Wachoffizier kommen weitere Themenschwerpunkte hinzu. Kenntnisse über Stabilität, Schiffssicherheit und das Verhalten bei Notfällen gehört hier ebenso zur Ausbildung wie die Kenntnisse der STCW, ISM und ISPS Vorschriften.

Diese Kenntnisse werden in der theoretischen Ausbildung und im Simulatortraining vermittelt.

Welche Übungen müssen heute im Bereich Notfallmanagement an Bord durchgeführt werden?

Dort sind als erstes die persönlichen Übungen, die bei Bedarf bei neuen Besatzungsmitgliedern oder bei neuen Aufgaben durchgeführt werden. Dies sind im Einzelnen die Belehrungen über Sicherheitseinrichtung, über gefährliche Ladung und die persönlichen Übungen nach ISPS.

Als nächstes kommen die Übungen für einzelne Gruppen. Hier sind Übungen mit Checklisten für den Bereich Deck, Ladung und Maschine zu sehen. Neu hinzugekommen sind Übungen entsprechend ISPS und Ship Security Plan.

Als Übungen für die Komplette Crew sind dann noch Feuerübungen, Übungen zum Verlassen des Schiffes sowie Rettungsübungen zu sehen.

Kombinierte Übungen mit Rettungs- Feuer und Verlassen des Schiffs bilden für die Gesamt Crew die höchste Ausbaustufe. Alle die vorgenannten Übungen sind in einem Intervall von wöchentlich bis zum einem Intervall von 6 Monaten durchzuführen. Wie leicht zu ersehen ist, bilden diese Übungen einen großen Zeit und Kostenfaktor.

Je nach Flaggenstaat können hierbei zwischen 78 und 130 Übungen im Jahr von der Crew durchgeführt werden müssen. Hier kann ein Simulatortraining unterstützen wirken und die Ausbildung verbessern.

Einer der Kernpunkte der Übungen ist das Training einer guten Kommunikation.

In einem Notfall stellt nur eine reibungslose Kommunikation ein effektives Notfallmanagement sicher. Hierbei stellt die Führungsgruppe bestehend aus dem Kapitän, dem Chief Engineer und den Offizieren die Kerngruppe dar. Diese Gruppe stellt sicher, dass bei der Kommunikation mit externen Stellen wie zum Beispiel bei der Unterstützung durch Einheiten von Land, beim Medizinischen Service oder bei der Rettung auf See eine reibungslose Kommunikation sichergestellt ist. Doch auch die interne Kommunikation zum Beispiel zum Feuer Trupp Deck oder Maschine muss in einem Notfall sicher funktionieren. An Bord befindliche Passagiere oder andere Personen müssen ebenfalls angemessen informiert werden.

Was sind die typischen Schwierigkeiten im Notfallmanagement und in der Gefahrenabwehr heute

  • Der Wissensstand und die Erfahrungen für eine „optimales Notfallmanagement“ ist bedingt durch schnellen Personalwechsel nur noch zum Teil oder gar nicht mehr vorhanden
  • Multilinguale Crews haben Schwierigkeiten mit der Kommunikation in Notfallsituationen
  • Durch die immer stärker werdende Reduktion der Besatzungsmitglieder fehlt die Zeit für ausführliche Trainings an Bord
  • Neue gesetzliche Anforderungen (ISM/ISPS) erfordern die Umsetzung in Bezug auf das Notfallmanagement

Mit einem Simulatortraining kann hier der Ausbildungsstand der Besatzung verbessert werden.


2 Mars² Safety and Security Trainer

Welche Ausbildungsschwerpunkte können nun mit unserem neuen Simulator trainiert werden?

Safety

  • Wassereinbruch
  • Feuer an Bord
  • Kollision
  • Auf Grund laufen
  • SAR Operationen
  • Maschinenstörungen
  • Evakuierungen

Security

  • unerlaubter Zugang / blinder Passagier
  • Beschädigung / Untergang des Schiffes
  • Verhalten bei Piraterie
  • ISPS Training Szenarios
  • Personenunfälle

2.1 Allgemeiner Aufbau des Simulators

Der Simulator ist als Teamtrainer aufgebaut. Je nach verfügbarer Ausbaustufe ist hier je ein PC Arbeitsplatz einer Person bzw. Funktion zugeordnet Alle Teilnehmer befinden sich auf einem gemeinsamen Schiff. Aktionen eines Trainee haben die entsprechenden Konsequenzen bei den anderen Teilnehmern. Hierbei kann der Instruktor als zusätzliches Besatzungsmitglied, als Passagier oder als Landstation fungieren. Im Gegensatz zu den anderen Simulatoren wie Ship Handling oder Ship Engine ist hier jeder Station keine feste Funktion wie zum Beispiel eines Navigationsgeräts sondern der jeweiligen Person zugeordnet. Der Trainee steuert seine Person mit Hilfe der Maus durch das Schiff und führt die erforderlichen Aktionen aus.

Wie schon eingangs erwähnt, ist eine reibungslose Kommunikation ein Schwerpunkt des erfolgreichen Notfallmanagements. Der mars² Simulator ist für eine realitätsnahe Kommunikation ausgelegt. Zum Beispiel können Personen nur miteinander sprechen wenn sie sich im gleichen Raum befinden. Befinden sich die Personen an getrennten Orten, so ist genau wie an Bord eine Kommunikation nur über entsprechende Geräte wie Sprechfunkgeräte oder Telefone möglich.


2.2 Grundkonzept des Simulators

Der gesamte Simulator basiert auf dem hinterlegten Sicherheitsplan des entsprechenden Schiffes. In diesem Plan sind alle Sicherheitseinrichtungen verzeichnet. Diese Sicherheitseinrichtungen sind im Simulator nachgebildet und können vom Trainee benutzt werden.

Hier wurde als Schiffsmodell ein Küstenmotorschiff verwendet.

2.3 Bedienung des mars²

Jedem Arbeitsplatz sind 2 Monitore mit der Bezeichnung Action Monitor und Situation Monitor zugeordnet.

Auf dem Situation Monitor kann der Trainee seine Position im Schiff sehen. Hier kann er mit seiner Person durch das Schiff manövrieren. Ebenfalls werden die verfügbaren Sicherheitseinrichtungen angewählt.

Auf dem Action Monitor werden die angewählten Sicherheitseinrichtungen dargestellt und können bedient werden.


2.4 Hauptfunktionen des Simulators

Die wesentlichen Funktionen des Simulators beinhalten:

  • Ausbruch und Bekämpfung eines Feuers
    • im Wohnbereich
    • in der Maschine
    • in sonstigen Betriebsräumen
  • Ruderausfall und Einsatz der Notsteuerung
  • Wassereinbruch im Schiff
    • Maschinenraum
    • Maschinenkontrollraum
    • Hilfsmaschinenraum
    • Laderäume
  • Piraterie und Einschleicher

Übungen mit allen diesen Funktonen werden mit Hilfe des Replay aufgezeichnet und können so beim Debriefing den Teilnehmern für die Manöverkritik wieder vorgeführt werden.

Um den Stresspegel bei den Übungen noch weiter zu erhöhen, können auch alle Szenarien miteinander kombiniert werden oder durch vom Instruktor gesetzte Malfunctions erschwert werden.


2.4.1 Szenario Brand auf dem Schiff

Für die Notfallübung Feuer sind im Simulator verschiedene Sicherheitseinrichtungen implementiert. Als Beispiel sind hier zu nennen:

  • Rauchmelder
  • Feuer Alarm Melder
  • Handfeuerlöscher
  • Hydranten mit Schlauch
  • Hitzeschutzanzüge
  • Atemschutzgeräte

usw. …

Beispiele von Sicherheitseinrichtungen

Zielrichtung des Trainings ist nicht das ordnungsgemäße Bedienen eines Gerätes (hier ist auf jeden Fall das Training am Original notwendig), sondern das Managementtraining wann setze ich das Gerät ein, wie viele Personen werden zum Notfallort geschickt, was macht die Crew wenn die Geräte defekt oder nicht ausreichend vorhanden sind.


2.4.2 Fire Editor

Der Instruktor kann bei der Übungsvorbereitung mit Hilfe eines so genannten Fire Editors ein Feuer setzen.

Der Simulator ist so konfiguriert, dass das gesamte Schiff in Brandzellen unterteilt ist. Eine Brandzelle kann einen Raum oder auch nur einen Teilbereich hiervon darstellen. Zusätzlich ist jeder Raum auch in der Höhe in 2 Schichten aufgeteilt, um die unterschiedliche Rauchverteilung darzustellen. Im Editor können nun verschieden Brandmaterialien sowie die Menge des brennbaren Materials eingegeben werden.


2.4.3 Physikalische Modelle für die Brandbekämpfung

  • Rauch, Temperatur und Flammen Sensoren
  • Feuerausbreitungsmodelle unter Berücksichtigung von Materialmengen, Sauerstoffgehalt und Temperaturen
  • Flash over und Back Draft von Feuer
  • Rauch Schichtenmodell
  • Verschiedene Löschmittel wie Wasser ,Schaum und CO²
  • Alarmhandling und Monitoring von der Brücke
  • Personenmodell mit Gesundheitsmonitoring

2.4.4 Szenario: Wassereinbruch

Als weiteres großes Notfallszenario kann ein Wassereinbruch simuliert werden.

Hierbei können vom Instruktor Parameter wie die Wassermenge und der Eintrittsort bei der Generierung der Übung gesetzt werden.

Wassereinbruch kann im Schiff und auch im Simulator passieren durch:

  • Kollision
  • Rohrbruch
  • Löschwasser

Verfügbare Hilfsmittel für den Wassereinbruch

  • Bilge und Ballastpumpen
  • Wasserstandsmessungen
  • Load Calculator
  • Tiefgangs-, Trimm und Krängungsanzeigen

Beispiel eines Mimic Bildes für die Bedienung der Ballastpumpen

Beispiel eines Mimic Bildes für die Bedienung der elektrischen Verbraucher

Die simulierten Sicherheitseinrichtungen und technischen Systeme sind aus den Ship Handling und Schiffmaschinensimulatoren übernommen und für den Einsatz im Notfallmanagement Trainer konfiguriert worden.

Für die Verdeutlichung der Funktionen soll hier ein kleines Beispiel angeführt werden.

Im Falle eines Feuers, welches mit dem Löschmittel Wasser gelöscht werden soll, muss vom Trainee sichergestellt werden, dass die entsprechenden Feuerlöschpumpen in Funktion sind. Hierfür muss die elektrische Versorgung mit Hilfe des Generators oder des Notgenerators sichergestellt werden. Erst dann können die Pumpen eingeschaltet werden.

Der Instruktor hat hier wie auch bei vielen anderen Parametern die Möglichkeit durch vordefinierte Malfunctions den Schwierigkeitsgrad und den Stress für die Trainees noch zu erhöhen.


2.4.5 Szenario: Security

Für die Trainingsmöglichkeiten im Bereich Security können mit dem Simulator im Wesentlichen die Bereiche

  • Gangway Kontrolle
  • Sicherheitsrelevante Bereiche
  • Alarmierung
  • Durchsuchungsmethoden gegen Einschleicher

genannt werden.


2.5 Allgemeines

Der Simulator wurde 2006 vom GL zertifiziert. Die DNV Zertifizierung ist in Arbeit.