Beitrag 06

Verbesserte maritime Kommunikationskompetenz durch ein fundiertes Lehr-Berufsbild

Peter Trenkner
Hochschule Wismar, Fachbereich Seefahrt Warnemünde

  1. Einleitung
  2. Eine Typologie der Lehrkräfte für Maritimes Englisch
    1. Spezialisten für Maritimes Englisch
    2. Lehrkräfte für englische Sprache/Literatur
    3. Ehemalige Schiffsoffiziere
    4. Englisch-Muttersprachler
  3. Schaffung eines Berufsprofils einer qualifizierten Lehrkraft für Maritimes Englisch
  4. Schlussbemerkungen
  5. Literaturnachweis


1. Einleitung

Um einer Fehlinterpretation der Überschrift vorzubeugen: Im folgenden Beitrag wird nicht über Arbeitsergebnisse berichtet, sondern eine Aufgabenstellung umrissen, die nicht nur nach Auffassung des Autors einer gründlichen Untersuchung bedarf.

Es ist mittlerweile bekannt, dass ca. 30-35 % aller Unfälle auf See oder im Hafen Kommunikationsdefiziten zuzuschreiben sind, in erster Linie der unzureichenden Beherrschung dessen, was als Maritimes Englisch /1/ bezeichnet wird. Als eine Folge daraus hat sich das Maritime Englisch in den letzten Jahren zu einem zentralen Diskussionsthema entwickelt /2/, und die rechtlich bindenden Anforderungen (u.a. STCW 1978/95, SOLAS 1992/02) hinsichtlich der Kommunikationsbefähigung, deren Hauptsäule die Vermittlung der Fachsprache Maritimes Englisch ist, wurden verschärft, um die Sicherheit auf See und im Hafen zu befördern. Zum anderen ist das Maritime Englisch in zahlreichen Ländern zu einem wesentlichen Karrierebonus geworden, der Mobilität, Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit auf dem maritimen Arbeitsmarkt, einschließlich seiner sekundären Bereiche, verbessert /3/.

Im Zuge umfangreicher Untersuchungen auf diesem Gebiet wurde ein plötzlich steigendes Interesse und eine gewisse Besorgnis seitens maritimer Administrationen und Organisationen dahingehend festgestellt, wie mit den neuen Anforderungen umzugehen ist. Zahlreiche Ausbildungsinstitutionen, welche oft sehr zurückhaltend waren, wenn es darum ging, Maritimes Englisch/Maritime Kommunikation als gleichberechtigtes Lehrfach anzuerkennen oder diesem Fach in einem zeitlich engen Curriculum mehr Lehrstunden zuzubilligen, sind nunmehr auch auf Druck der Industrie bestrebt, effektivere Strategien zu finden, um den begründeten Forderungen zu entsprechen. Dies trifft z.B. auf Länder zu, die mit aller Macht auf den maritimen Arbeitsmarkt drängen, wie z.B. China, Japan, Indonesien oder Vietnam, auf künftige EU-Beitrittsküstenländer und auch auf die seefahrttreibenden Staaten der ehemaligen UdSSR. In anderen Staaten jedoch, wie beispielsweise in einigen traditionellen Schifffahrtsländern Westeuropas, darunter auch in Deutschland, wird unter dem Vorwand finanzieller Zwänge und oft entgegen besseren Wissens versucht, ausgerechnet auf diesem hochgradig sicherheitsrelevanten Gebiet zu Einsparungen auf dem Bildungssektor zu gelangen, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Hier ist jedoch nicht Platz und Zeit, diese Politik ausführlich zu kommentieren.

Wenden wir uns vielmehr einem Hauptaspekt einer international dringend notwendig erachteten Verbesserung der Kommunikationskompetenz unter Schiffsoffizieren zu: Meines Erachtens steht und fällt eine den Anforderungen der STCW 1978/95 und SOLAS 1992/02 sowie der Praxis entsprechenden Kommunikationsausbildung mit der Qualität des dazu erforderlichen Lehrpersonals. Dies betrifft natürlich nicht nur auf das Fach Maritimes Englisch zu, aber auf diesem Gebiet haben wir es mit Besonderheiten zu tun, die genauere Beachtung und Betrachtung erfordern.

Maritime Ausbildungsinstitutionen in den oben erstgenannten Ländern zollen der Zusammensetzung und damit der Befähigung des entsprechenden Lehrkörpers kaum oder gar keine Beachtung - Quantität statt Qualität - obwohl seit kurzem zunehmend Rat in dieser Hinsicht gesucht wird /4/. Der Lehrkörper, so zeigt eine diesbezügliche Untersuchung, besteht in der Regel erstens aus studierten Lehrkräften für englische Sprache/Literatur mit Universitätsabschluss, aber ohne maritime Grundkenntnisse, zweitens aus Spezialisten für Maritimes Englisch, drittens aus ehemaligen Schiffsoffizieren, von denen angenommen wird oder die selber meinen, Englisch gut zu beherrschen, die aber selten oder gar keine pädagogische bzw. linguistische Qualifikation haben, und schließlich aus Englisch-Muttersprachlern, die meist keine ausgebildeten Lehrer sind und über keinerlei maritimes Basiswissen verfügen.

Durch diese heterogene Vielfalt wird klar, dass das Lehrgebiet Maritimes Englisch dringend eines soliden fundierten Berufsprofils einer Lehrkraft für Maritimes Englisch (ME-Lehrkraft) bedarf. So plant der Autor mit einer Gruppe ausgewiesener Experten im Rahmen eines Projektes unter Nutzung vorliegender Erfahrungen, der Auswertung bisheriger Forschungsarbeiten und vielfältiger Methoden zuverlässiger Datengewinnung zuerst den status quo auf diesem Gebiet zu ermitteln. Dann ist beabsichtigt, allgemein anerkannte Richtlinien und Empfehlungen für die Verantwortlichen von maritimen Ausbildungsinstitutionen darüber auszuarbeiten, wie einerseits Englischlehrkräfte zu ME-Lehrkräften qualifiziert werden können, die zumindest den Anforderungen der STCW 1978/95 gerecht werden, und andererseits potentiellen ME-Lehrkräften eine begründete Idee davon zu vermitteln, was von ihnen erwartet wird, sollten sie sich für eine diesbezügliche Karriere an einer maritimen Fach- oder Hochschule entscheiden. Es muss hier hervorgehoben werden, dass sich die Anforderungen der STCW 1978/95 hinsichtlich des Maritimen Englisch nicht in dem erschöpfen, was in Table A-II/1 und A-III/1 expressis verbis festgelegt ist: es gibt mehr als einhundert Anforderungen im STCW Code A und B, für deren Bewältigung eine solide Kommunikationskompetenz entweder explizit gefordert oder implizit erwartet wird. Eigentlich ist die entsprechende Forderung oder Erwartung, die für alle mit der Ausbildung von Schiffsoffizieren befassten Lehrkräfte gilt, in der STCW 1978/95 Section A-I/6(3), deutlich niedergelegt: "... all instructors ... are appropriately qualified for the particular types and levels of training ... of seafarers on board or ashore." Es ist kein Hinweis in der Konvention zu finden, nach welchem die ME-Lehrkräfte von dieser Forderung ausgenommen sind und deshalb ergibt sich schon allein daraus eine Reihe von zu lösenden Aufgaben.


2. Eine Typologie der Lehrkräfte für Maritimes Englisch

Folgende Typen von ME-Lehrkräften sind weltweit anzutreffen:

2.1 Spezialisten für Maritimes Englisch

Innerhalb dieser Gruppe finden sich Universitätsabsolventen oder Lehrkräfte für englische Sprache/Literatur, welche von den Institutionen eingestellt werden, um künftige Schiffsoffiziere im Maritimen Englisch zu unterrichten und die nunmehr weder die Zeit noch die Gelegenheit haben, sich mit ihren Lieblingsautoren zu befassen oder mit ihren Studenten den Eigenarten der angloamerikanischen Kultur zu frönen. Diese Lehrkräfte, wenn sie ihre Aufgabe ernst nehmen, müssen willens sein, sich selbständig zu "marinieren", eine Aufgabe, die sich sehr zeitaufwendig gestaltet. Um genauer zu sein, es braucht mindestens zwei Jahre landseitiger Weiterbildung unter Nutzung vielfältigster Informationsquellen, bis eine reguläre Englischlehrkraft in etwa weiß, was sie eigentlich unterrichtet und einschätzen kann, ob ihr Lehrinhalt und ihre Methodik überhaupt relevant und praxisorientiert sind. Dieser Lernprozess wird über ihr gesamtes aktives Lehrerdasein andauern. Man muss gerechterweise feststellen, dass eine erhebliche Anzahl von angesehenen Kolleginnen und Kollegen, welche diesen Weg eingeschlagen haben, in der Tat hervorragende ME-Lehrkräfte geworden sind, aber es ist eben sehr zeitaufwendig und erfordert eine gehörige Portion Enthusiasmus. Diese Gruppe von Lehrkräften erfreut sich eines relativ hohen Ansehens, da Konsultationen oder gar die Zusammenarbeit mit Lehrkräften nautisch/technischer Disziplinen und ein enger Kontakt zu den Studierenden für sie die Regel und nicht die Ausnahme darstellen. Es kommt jedoch auch vor, dass sie von Vertretern der nautisch/technischen Fächer und den Leitungen der Institutionen von oben herab als Lehrkräfte mit Wissen aus zweiter Hand angesehen werden, was dazu führen kann, dass sie sich in Dienststellung - diese reicht von berufenen Professoren/Hochschuldozenten bis zu befristet abgestellten Lehrkräften - und auch Bezahlung von ersteren häufig erheblich unterscheiden. Die Leitungen der Institutionen sollten sich auch der Tatsache bewusst sein, dass es keinen Sinn macht, allgemeine Englischlehrkräfte wie auch immer zu zwingen, Maritimes Englisch zu unterrichten, wenn diese nicht motiviert sind oder sich nicht voll engagieren wollen. Um Tiefe und Umfang eines solchen Engagements zu erfassen, genügt ein Blick in die diesbezüglichen Zertifizerungsunterlagen deutscher Seefahrthochschulen, wobei auch deutlich wird, dass eine allgemeine Englischlehrkraft nicht en passant die Aufgaben einer ME-Lehrkraft übernehmen kann.

Der o.g. Qualifikationsprozess kann erheblich verkürzt und optimiert werden, wenn Lehrkräfte für mindestens ein halbes Jahr oder auch über wiederholte kürzere Zeiträume an Bord aktiver Handelsschiffe geschickt werden. Es ist überhaupt nicht nötig, dass ME-Lehrkräfte Patentinhaber sein müssen, jedoch ist der Erwerb des GOC für diejenigen, welche Deckoffiziere zu unterrichten haben, anzustreben und auch zumutbar. Eine Anzahl von Institutionen betreiben Ausbildungsschiffe, wo optimale Möglichkeiten bestehen, sich das erforderliche maritime Hintergrundwissen anzueignen. Des weiteren sind verschiedene Reedereien bereit, diese maritimen Laien kostenfrei und häufig mit der Verpflichtung an Bord ihrer Fahrzeuge aufzunehmen, mit den Offizieren auf der Reise ein "on-the-job" Englischtraining durchzuführen.

Simulatoren, die inzwischen an zahlreichen Institutionen betrieben werden, sind weiterhin ein effektives und zugleich bequem verfügbares "Ersatz"-Instrument zur Aneignung bestimmter maritimer Kenntnisse, dies besonders dann, wenn Simulationsübungen von ME-Lehrkräften im so genannten "Twinning" (s.2.3) mit Lehrkräften nautisch/technischer Disziplinen durchgeführt werden. Die zielgerichtete Nutzung all dieser Quellen und Möglichkeiten, d.h. der Erwerb einer maritimen Glaubwürdigkeit, trägt gegenüber den Studierenden zu einem erheblichen Anerkennungsgewinn für das Fach und die Lehrkraft bei.

Ein bemerkenswertes Verfahren zur Qualifizierung von Englisch- zu ME-Lehrkräften wird an der COSCO Seefahrthochschule in Qingdao, China, praktiziert /5/. Der qualifizierungswilligen Lehrkraft wird ein erfahrener ME-Dozent als Tutor zugeordnet, und sie muss zum Erwerb oder zur Verbesserung ihres maritimen Basiswissens spezielle, von der Hochschule veranstaltete Kurse besuchen. Dann hat die Lehrkraft über einen vertraglich festgelegten Zeitraum von mindestens drei Monaten ein Informationspraktikum an Bord eines Ausbildungsschiffes oder regulären Kauffahrteischiffes zu absolvieren. Abschließend ist eine Prüfung abzulegen, in welcher ermittelt wird, ob die erworbenen allgemeinen maritimen Kenntnisse und das spezifische Wissen zum Maritimen Englisch für eine entsprechende Lehrtätigkeit ausreichen. Nur bei bestandener Prüfung darf die Lehrkraft den Titel "Dozent für Maritimes Englisch" führen und Maritimes Englisch unterrichten, sie hat ein geringeres Stundensoll und wird einer höheren Gehaltsstufe zugeordnet. Dies scheint ein lobenswertes System zu sein, allerdings ist zu konstatieren, dass die meisten Ausbildungseinrichtungen kaum geneigt sind, im Zusammenwirken mit Reedereien für ihre ME-Lehrkräfte ein solches oder ähnliches Programm zu entwickeln.

Der oben beschriebene Typ von ME-Lehrkraft ist wohl hin und wieder anzutreffen, jedoch nie in der Anzahl, wie sie unter der STCW 1978/95 eigentlich vonnöten wäre. Wenn die Mehrzahl der Institutionen willens wäre, eine fundierte Qualifizierung im Maritimen Englisch zu fordern und zu fördern, würden sich viele der heutigen Probleme erledigen. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus, und ein Ziel des geplanten Projekts ist es zu ermitteln, warum dies der Fall ist.


2.2 Lehrkräfte für englische Sprache/Literatur

Die große Mehrheit dieser Kategorie sind qualifizierte Englischlehrkräfte mit einem Universitätsabschluss in englischer Sprache/Literatur. Sie sind enthusiastische Liebhaber der englischen Sprache, seiner Literatur und Kultur und weniger brennend an Fachsprachenlinguistik, geschweige denn am Maritimen Englisch interessiert - sie sind auf diesen Feldern nicht ausgebildet und häufig nicht einmal motiviert, Maritimes Englisch zu lehren; maritimes Hintergrundwissen haben sie nicht. Sie sind vollauf zufrieden damit, allgemeines Englisch zu unterrichten, was oft einen erheblichen Stundenumfang besonders in den Ländern einnimmt, in welchen im vorgelagerten Schulsystem der englische Spracherwerb nicht den Stellenwert besitzt, wie z.B. in den west-, mittel- und nordeuropäischen Ländern. In letzteren wird zumindest an den Seefahrthochschulen kaum noch allgemeines Englisch vermittelt, da das knappe Stundenvolumen dies nicht erlaubt und man zu Recht davon ausgeht, dass die Studierenden auf diesem Gebiet vorher ausreichend geschult worden sind. Die o. g. Lehrkräfte werden an ihren Einrichtungen nicht als Mitarbeiter betrachtet, die in akademischen Rechten und Pflichten und in ihrem Anteil an der Erfüllung der STCW 1978/95 den Vertretern der nautisch/technischen Fächer gleichberechtigt gegenüber stehen, sie spielen die dritte Geige. Da aber die englische Sprache ein sogenanntes STCW-Prüfungsfach ist und daher für das Curriculum unverzichtbar, stellen viele Institutionen diese Lehrkräfte ein und gehen selten der Frage nach, womit sie sich eigentlich mit ihren Studierenden befassen. Dies ist einfach der Tatsache geschuldet, dass besser qualifiziertes Personal besonders dann nicht verfügbar ist, wenn trotz aufwendiger Weiterbildung auf maritimem und linguistisch/methodischem Gebiet wenig Anreize bezüglich Gehalt, Beförderung usw. bestehen.


2.3 Ehemalige Schiffsoffiziere

Es ist eine ideale Lösung, ehemalige Schiffsoffiziere als ME-Lehrkräfte einzustellen, die, aus welchen Gründen auch immer, die Seefahrt aufgegeben und danach an einer Universität ein reguläres Lehramtsstudium absolviert haben. Jedoch, wie mit allen Idealen, sind diese Lehrkräfte äußerst selten anzutreffen. So besteht an einigen Einrichtungen die Tendenz, ehemalige Schiffsoffiziere, von denen man annimmt oder die selbst behaupten, gute Englischkenntnisse zu besitzen, an Stelle ausgebildeter Englischlehrkräfte Maritimes Englisch unterrichten zu lassen. Dies geschieht vorzugsweise dort, wo keine oder nicht genügend qualifizierte ME-Lehrkräfte zur Verfügung stehen oder wo Lehrkräfte für allgemeines Englisch nicht bereit sind, sich mit dem Maritimen Englisch zu befassen, da sie keine oder eine falsche Idee davon haben, was von ihnen erwartet wird und sie lieber in ihrem Erfahrungskreis verharren.

Der Autor hat zahlreiche Maritime Englisch Veranstaltungen, die von ehemaligen Schiffsoffizieren gehalten wurden, besucht und ausgewertet, dies sind die Schlussfolgerungen:

  • in nahezu allen Fällen rangierte die Sprachbeherrschung der Lehrkräfte bezüglich Phonetik, Grammatik, Ausdruck, Verständlichkeit usw. zwischen gerade noch annehmbar und sehr schwach
  • in fast allen Fällen waren die Studierenden überfordert, d.h. sie verstanden die Sprache kaum oder die Sprache war so verkompliziert, dass es ihnen nicht gelang zu erfassen, wovon im Detail die Lehrkraft eigentlich sprach
  • in nahezu allen Fällen, wo es um die Vermittlung vom Maritimen oder allgemeinen Englisch ging, geschah dies in einer durchweg planlosen Weise, d.h. pädagogische oder methodische Fähigkeiten oder Strategien waren nicht feststellbar
  • in fast allen Fällen wurde sich nicht an den vorhandenen zertifizierten Lehrplan gehalten, wonach die Studierenden ihren Lernfortschritt hätten überprüfen können, es gab keine Korrekturen, keine Vorbereitung auf die Veranstaltungen und keine Auswertung
  • technische Unterrichtshilfen, wie z.B. Sprach- oder Multimediakabinette wurden, obwohl häufig vorhanden, nicht genutzt.

Die verbreitete Auffassung, dass ein guter Englischsprecher auch eine gute Englischlehrkraft sein muss, ist schlicht irreführend und kann sich nachteilig auf die Studierenden auswirken. Vertreter dieses Standpunkts negieren völlig, dass sogar Englisch-Muttersprachler ein Universitätsstudium absolvieren müssen, um Englisch unterrichten werden zu können. Eine zielgerichtete Weiterbildung und Wege, diese zu erlangen, sind für die STCW 1978/95 von herausragender Bedeutung und entsprechen dem Verlangen der Schifffahrt nach höherer Qualität.

Ein interessantes und attraktives Qualifizierungssystem wird an dänischen Bildungseinrichtungen praktiziert: Schiffsoffizieren, die ein außerordentlich hohes englisches Sprachkönnen aufweisen und welche Maritimes Englisch unterrichten möchten, wird die Möglichkeit gegeben, an ausgewählten und autorisierten Universitäten spezielle Fernstudienkurse von zwei Jahren zu absolvieren, die sich auf Methodologie, angewandte Sprachwissenschaft, Kursgestaltung u.a.m. spezialisiert haben. Der Besuch dieser Kurse wird von den jeweiligen Bildungseinrichtungen bezahlt und gilt als Arbeitszeit.

Ein Trend, der sich an maritimen Bildungseinrichtungen in nicht englischsprechenden Ländern auszubreiten scheint, besteht darin, dass ausgewählte nautisch/technische Fächer in Englisch gelehrt werden. Daran gibt es überhaupt nichts zu kritisieren, es ist sogar ein guter Gedanke. Jedoch sollte berücksichtigt werden,

  • dass diese spezifische Form der Lehre als ein Element des Unterrichtens eines praxisbezogenen Maritimen Englisch anzusehen ist, welches nicht geeignet ist, die Vermittlung der eigentlichen maritimen Sprachkompetenz vollständig oder auch teilweise zu ersetzen
  • dass diese Lehrkraft eine entsprechend hohe Sprachbeherrschung aufweist
  • dass sie zumindest Grundkenntnisse in Kommunikationsstrategien besitzt
  • dass die Studierenden weder durch die verwendete Sprache noch durch den Vorlesungsinhalt überfordert werden
  • dass die Vorlesung so vorbereitet wird, dass eine kooperierende ME-Lehrkraft vor und/oder nach der Veranstaltung unterstützend mitwirken kann (genannt "Twinning").

Das Wesen des sogenannten "Twinning" /6/ ist hauptsächlich das, was als "Content-based Language Instruction" oder "Communicative Language Teaching/Learning" unter der Maßgabe verstanden wird, dass Vertreter nautisch/technischer Disziplinen und ME-Lehrkräfte bei der Vorbereitung und Durchführung ausgewählter praxisorientierter Lehrveranstaltungen eng kooperieren und jeder Partner sein Bildungsziel einbringt. Dies ist zeit- und organisationsaufwendig, aber für die Studierenden von großem Wert und fördert u.a. die Reputation der ME-Lehrkraft, da sie bei diesem "Twinning" eine nachvollziehbar wichtige, praxisdefinierte Aufgabe erledigen hat und es entwickelt die maritime Sprachkompetenz der beteiligten nautisch/technischen Lehrkraft /7/.


2.4 Englisch-Muttersprachler

Englisch-Muttersprachler, darunter Globetrotter, Ehegatten anderweitig beschäftigter Partner, Pensionäre u.a.m., die befristet als Lehrkräfte eingestellt werden, fallen in diese Kategorie. Es wird an den Hochschulen erwartet, dass dieses Personal Motivationsprobleme der Studierenden besonders bezüglich des Sprechens/ Hörens in Englisch lösen und Diskursstrategien vermitteln kann. Diese Personen haben jedoch in den meisten Fällen weder irgendeine Lehrbefähigung noch irgendwelche maritimen Kenntnisse. Im allgemeinen sind sie auf sich selbst gestellt und wirken außerhalb des Curriculums, sie haben kaum Kontakte zum nautisch/technischen Fachkollegium. Allerdings sind viele dieser Englisch-Muttersprachler durchaus bereit, sich in das maritime Metier einzuarbeiten, sie wissen jedoch nicht wie und erhalten diesbezüglich keine Unterstützung. Wie dem auch sei, es muss an den betreffenden Einrichtungen deutlich festgelegt werden, welche Rolle diese Englisch-Muttersprachler im Lehrprogramm erfüllen sollen, um Nutzen aus ihnen zu ziehen. In einigen Ländern ist man seitens der Hochschulleitungen der irrigen Auffassung, dass möglichst viele Englisch-Muttersprachler, egal welcher Ausbildung, die Kommunikationsprobleme der Studierenden auch im maritimen Bereich lösen könnten.

Aus dem oben Beschriebenen geht bereits deutlich hervor, dass auf dem Feld des Maritimen Englisch als Lehrgebiet dringend eine fundierte Untersuchung zum Berufsprofil der dort einzusetzenden Lehrkraft erforderlich ist. Dies sollte keinesfalls eine akademische Übung sein, sondern u.a. darauf hinauslaufen, einerseits den Leitungen der Bildungseinrichtungen allgemein akzeptierte Richtlinien/Empfehlungen darüber zur Verfügung zu stellen, wie sie Lehrkräfte für allgemeines Englisch zu ME-Lehrkräften qualifizieren können, welche zumindest den Anforderungen der STCW 1978/95 gerecht werden und andererseits potentiellen Kandidaten für dieses Lehramt eine relativ genaue Idee zu vermitteln, was von ihnen in dieser Tätigkeit an einer Fach- oder Hochschule erwartet wird.

Es würde ferner sinnvoll sein, die genauen Aufgaben und Funktionen der anderen aufgeführten Kategorien von Englischlehrkräften zu bestimmen, welche sicherlich an den maritimen Bildungseinrichtungen weiterhin beschäftigt werden, um Missverständnisse hinsichtlich ihres im maritimen Kontext zu leistenden Beitrags zu vermeiden.


3. Schaffung eines Berufsprofils einer qualifizierten Lehrkraft für Maritimes Englisch

Es besteht also die dringende Notwendigkeit, ein fundiertes Berufsprofil einer qualifizierten ME-Lehrkraft zu beschreiben, um sowohl die Anforderungen der gegenwärtigen Legislation und die Bedürfnisse der Schifffahrt und deren sekundärer Bereiche erfüllen zu können. Die unten aufgeführten Schwerpunkte erfordern eine sorgfältige Betrachtung und Diskussion, um zuverlässige Daten für weitergehende Untersuchungen zu erlangen, da klare und umfassende Antworten bisher nicht gegeben werden können:

  • Kategorisieren der Profile der unterschiedlichen Typen von z.Z. tätigen ME-Lehrkräften und Ermittlung ihres jeweiligen Nutzens und ihrer Grenzen
  • Ermittlung der linguistischen und methodischen Anforderungen an eine qualifizierte ME-Lehrkraft und der Wege, diese zu erfüllen
  • Ermittlung der maritimen horizontalen/vertikalen Mindestkenntnisse (Umfang/Tiefe), welche von einer ME-Lehrkraft zu erwarten sind und der Mittel, diese zu erlangen
  • Ermittlung angemessener, geeigneter und durchführbarer Weiterbildungsmaßnahmen für ME-Lehrkräfte auf maritimem Gebiet, der Sprachvermittlung/-aneignung, der Lehr- und Forschungsmethodologie
  • Ermittlung einer geeigneten Zuordnung des ME-Lehrkörpers innerhalb der Strukturen der Bildungseinrichtung, die eine Einbindung in ihre Ausbildungskonzeption gewährleistet
  • Ermittlung von Unterstützung und Maßnahmen, die von den Leitungen der Bildungseinrichtungen, der Behörden und ggf. der Reedereien für eine qualifizierte Weiterbildung zu leisten bzw. zu ergreifen sind
  • Ermittlung eines Gremiums (bzw. ist ein solches erforderlich), welches den erzielten Fortschritt auf o.g. Gebieten und den erreichten Stand einschätzt und ggf. zertifiziert.


4. Schlussbemerkungen

Im Verlaufe der letzten ca. 25 Jahre wurden etwa 80 % der Schiffe der Welthandelsflotte mehrsprachig und multikulturell besetzt. Als Ergebnis dessen sind die Möglichkeiten für ein dem "human factor" zuzuordnendes kommunikatives Fehlverhalten, welches Menschen, Umwelt und Fahrzeuge gefährdet, enorm angestiegen /8/. Etwa in demselben Zeitraum hat das Maritime Englisch eine Entwicklung von einem untergeordneten zu einem gleichberechtigten, STCW-gestützten Lehrfach im Kanon der maritimen Disziplinen genommen. Damit haben auch die ME-Lehrkräfte eine anerkannte und erhebliche Verantwortung für die Sicherheit der Schifffahrt. Das bedeutet aber auch, dass die Leitungen der Bildungseinrichtungen in ihrer Politik dieser organischen Verbindung von Maritimem Englisch und Sicherheit der Schifffahrt Rechnung tragen müssen. Und diejenigen, welche die Verantwortung für die Maritime Englisch Ausbildung haben und jene, die diese Ausbildung durchführen, sind nicht nur verpflichtet, mit den Entwicklungen auf den Gebieten der Methodologie, Linguistik und Lehrplanung Schritt zu halten, sie müssen sich ebenfalls klar darüber sein, dass auch von ihnen die Erfüllung der in der STCW 1978/95 niedergelegten Anforderungen erwartet werden muss. Wie dies im Einzelnen zu definieren ist, soll, wie oben beschrieben, Inhalt eines Forschungsprojekts sein.


Literaturnachweis

  1. Trenkner, P. (2000), An Attempt at an Imperfect Definition. Proceedings of the 2nd International Workshop on Maritime English in Asia, Dalian, China
  2. s. auch Trenkner, P, Cole, C. (2003), Profiling the Maritime English Instructor. Proceedings of the 4th GA of IAMU, Alexandria, Egypt
  3. European Commission (2002), Thematic Network on Maritime Education, Training and Certification (METNET), Brüssel: EC
  4. International Maritime Organization (2001), Report on the implementation of the 1995 amendments to the STCW Convention, 1978 - Upgrading and revision of training programmes and Maritime English syllabi. London: IMO
  5. Liu Xiao-pei, Yang Jin-qiu (2003), About Teacher Training in Maritime English Teaching. Proceedings of IMEC 15 in St. Petersburg, Russia
  6. European Commission (2002), Thematic Network on Maritime Education, Training and Certification(METNET) - WP 7, Brüssel: EC
  7. Cole, C., Trenkner, P.(2001), The Thematic Network on Maritime Education, Training and Mobility of Seafarers. Proceedings of the 11th International Workshop on Maritime English, Varna, Bulgaria
  8. European Commission (1999), The impact of multicultural and multilingual crews on maritime communication (MARCOM). Final Report Vol. 1&2, Brüssel: EC