Beitrag 03

Die Aus- und Weiterbildung am Fachbereich Seefahrt als Beitrag zur Förderung der Effizienz der Schifffahrt -
Bilanz der Ausbildung unter den Bedingungen der Zertifizierung

Prof. Dr.-Ing. Thomas Böcker
Hochschule Wismar, Fachbereich Seefahrt


Ausgangspunkt

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen und die Norddeutschen Küstenländer sind übereingekommen, die Verpflichtung nach Regel I/8 STCW-Übereinkommen von 1995 durch eine Zertifizierung auf der Basis der DIN ISO 9001:2000 zu erfüllen. Die Einführung und Zertifizierung sollte gemeinsam für alle maritimen Ausbildungsstätten in der Bundesrepublik Deutschland koordiniert werden.
Als übergeordnete Zielstellungen wurden festgeschrieben:

  • Straffung der Organisation;
  • Steigerung der Motivation der Mitarbeiter;
  • Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Einrichtungen sowie
  • Verbesserung der Kundenzufrieden.
Die Zertifizierung soll durch die Germanischer Lloyd Certification GmbH erfolgen. Ein Berater sollte die maritimen Ausbildungsstätten bei der zügigen und kostengünstigen Entwicklung und Einführung eines Qualitätmanagement-Systems unterstützen.

An den einzelnen maritimen Ausbildungsstätten (Fachbereiche Seefahrt/Nautik/Schiffsbetriebstechnik bzw. Fachschulen für Seefahrt) wurden als erster Schritt Qualitätsmanagementbeauftragte benannt.

Die Qualitätsmangement-Systeme der einzelnen maritimen Ausbildungseinrichtungen sollten ab Mitte 2001 zertifiziert werden.

Das Qualitätsmanagement-System soll ein Werkzeug sein, um

  • die Organisation zu straffen
  • die Motivation der Mitarbeiter zu steigern
  • die Leistungsfähigkeit zu erhöhen
  • die Kundenzufriedenheit zu stärken

Im Wesentlichen ging es darum, nachzuweisen, dass jede Bildungseinrichtung die Mindestforderungen des STCW-Übereinkommens von 1995 an Lehrinhalt und Gestaltung der Lehre einhält. Durch das STCW-Übereinkommen war auch festgelegt wurden, dass Interessierte Dritte berechtigt sind das Vorhandensein eines solchen Systems zu hinterfragen. So haben z.B. Reedereien das Recht, von der Leitung der Bildungseinrichtung über das Qualitätsmanagementsystem informiert zu werden.
Gleichzeitig sollte die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems als Chance begriffen werden, die Leistungsfähigkeit der einzelnen Bildungseinrichtungen im globalen Rahmen zu erhöhen. Durch die internationale Vergleichbarkeit der Befähigungszeugnisse, kommt diesem Aspekt eine besondere Bedeutung zu.
Als Zielstellung für den Beginn der Zertifizierung der Qualitätsmanagementsysteme der einzelnen maritimen Bildungseinrichtungen wurde durch die Ständige Arbeitsgruppe der Küstenländer für das Seefahrtbildungswesen (StAK) das 2. Halbjahr 2001 festgelegt.


Einführung eines Qualitätsmanagementsystems

An den einzelnen maritimen Ausbildungsstätten (Fachbereiche für Seefahrt/Nautik/Schiffsbetriebstechnik bzw. Fachschulen für Seefahrt) wurden als erster Schritt Qualitätsmanagementbeauftragte benannt und durch die die entsprechenden Gremien bestellt. Als zweite Maßnahme begannen im September 2000 die Schulungen der Qualitätsmanagementbeauftragten. Diese Schulungen wurden durch einen Berater durchgeführt, der in einem Auswahlverfahren durch die StAK bestimmt wurde. Diese Schulungen wurden mit der Erlangung der notwendigen Zertifikate im April 2001 erfolgreich abgeschlossen. Parallel dazu wurden die erforderlichen Dokumente an den einzelnen Bildungseinrichtungen erarbeitet. Zu diesem Zweck wurde am Fachbereich Seefahrt Warnemünde eine Arbeitsgruppe "Zertifizierung" gebildet, um zu gewährleisten, dass die Zertifizierung in der geplanten Zeitschiene erfolgen kann. In dieser Arbeitsgruppe wurden parallel zu den Schulungen des Qualitätsmanagementbeauftragten die qualitätsrelevante Dokumentation erarbeitet. Durch diese Arbeitsgruppe war es möglich, dass alle Mitarbeiter in den laufenden Prozess der Entwicklung eines Qualitätsbewusstsein einbezogen wurden.
Durch die Vertreter der GL-Certification GmbH wurde dem Fachbereich Seefahrt im Juni 2001 nach einem 2-tägigem Audit mit entsprechender Dokumentationsprüfung bestätigt, ein aktives Qualitätsmanagementsystem nach DIN ISO 9001:2000 eingeführt zu haben.
Das Qualiätsmanagementsystem ist am Fachbereich Seefahrt Warnemünde für die Anwendung im Geltungsbereich:

"Durchführung und Weiterentwicklung der Lehre und Ausbildung in den Studiengängen ‚Nautik/Verkehrsbetrieb' und ‚Schiffsbetriebs-/Anlagen- und Versorgungstechnik' zum Erwerb der Befähigungszeugnisse zum Kapitän und Leiter der Maschinenanlage sowie die Weiterbildung unter besonderer Berücksichtigung der Forderungen nach STCW-95"

eingeführt worden.


Arbeit mit dem Qualitätsmanagementsystem

Durch das Qualitätsmanagementsystem werden alle Prozesse am Fachbereich transparenter, es werden die Verantwortlichkeiten und Befugnisse deutlich festgelegt. Dies erfolgte natürlich auf der Basis und im Rahmen der bestehenden Gesetze und Verordnungen.
So sind die grundlegenden Züge unseres Qualitätsmanagementsystems hinsichtlich der Organisation der Lehre durch das Landeshochschulgesetz von Mecklenburg-Vorpommern und die aus ihm abgeleiteten Ordnungen und Verordnungen vorgegeben. Diese Dokumente und natürlich der internationale STCW-Code sind mitgeltende Unterlagen.
Die dienstlichen Pflichten und Aufgaben der Lehrkräfte sind durch das Landeshochschulgesetz von Mecklenburg-Vorpommern geregelt.
Die dienstlichen Pflichten und Aufgaben der sonstigen Mitarbeiter sind in den Tätigkeitsbeschreibungen sowie im Geschäftsverteilungsplan der Hochschule Wismar festgelegt.
Änderungen der o.g. Gesetze und Ordnungen bedingt natürlich auch eine Anpassung des Qualitätsmanagementsystems.
Die Festlegung von Verantwortlichkeiten und Verfahren dient dabei der ständigen Verbesserung.
Die Effektivität eines Qualitätsmanagementsystems zeigt sich daran, wie auf Fehler, die jederzeit auftreten können, reagiert wird. Schwerpunkte dabei sind:

  • eine mögliche Vermeidung von Fehlern,
  • die Korrektur der aufgetretenen Fehler und
  • die laufende Qualifizierung des Systems.

Gerade der letztgenannte Punkt bereitet dabei sehr viel Aufwand. Es ist immer wieder notwendig alle Mitarbeiter neu zur Mitarbeit zu motivierten.

Das Qualitätsmanagementsystem des Fachbereichs Seefahrt hat folgender Aufbau:

  1. QM-Handbuch. Im QM-Handbuch ist das Managementsystem beschrieben,
  2. Die Verfahrensanweisungen stellen die so genannten Prozeduren dar, sie beschreiben Handlungsabläufe und enthalten die entsprechenden Fragebögen und Kontrolllisten

Die Arbeits- und Prüfungsanweisungen, die mitgeltenden Dokumente und die Aufzeichnungen sind als unterstützende Bestandteile des Systems anzusehen.
So musste auch die Aufbauorganisation klar dargestellt werden.

Die Abbildung stellt die Aufbauorganisation des Fachbereichs Seefahrt und seine Einordnung in das Qualitätsmanagementsystem dar. In dieses System muß auch der Qualitätsmangementbeauftragter eingeordnet und seine Wechselbeziehungen festgelegt werden.
Ein wesentlicher Punkt im Qualitätsmanagementsystems ist die Kundenorientierung.
Die Kunden des Fachbereichs sind:

  • die Studenten und Absolventen mit ihrem Anspruch auf eine solide und zukunftsorientierte Ausbildung,
  • die Arbeitgeber der Absolventen mit ihren Erwartungen hinsichtlich der fachlichen und sozialen Kompetenz der einzustellenden Absolventen,
  • die globale Gesellschaft mit ihrem Anspruch auf Erfüllung des allgemeinen und beruflichen Bildungsauftrags durch den Fachbereich und speziell mit der Forderung nach verantwortungsvollen und auf Sicherheit und Umweltschutz bedachten Schiffsoffizieren.

Diese Ansprüche, Erwartungen und Forderungen der Kunden werden verfolgt und im Vergleich mit dem Stand von Wissenschaft und Technik bewertet und im Rahmen der permanenten Revision des Curriculums in angemessener Form beachtet.
Der Fachbereich Seefahrt sieht mit seiner Aus- und Weiterbildung die maritime Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern und dabei insbesondere die Reedereien und den Seeverkehr als die wichtigsten Kunden an.
Gegenüber diesen Kunden ist der Fachbereich als Dienstleister verpflichtet.

Um eine stetige Verbesserung zu gewährleisten, war und ist es erforderlich im Rahmen der Qualitätspolitik Qualitätsziele zu definieren.
Im Wesentlichen können diese Ziele genannt werden:

  1. Das Lehrangebot in den Studiengängen Nautik/Verkehrsbetrieb und Schiffsbetriebs-/Anlagen- und Versorgungstechnik sowie im Weiterbildungsbereich soll den Vorgaben der Bildungspolitik des Landes Mecklenburg-Vorpommern mindestens genügen und im Rahmen dieser Vorgaben nach den Anforderungen der Praxis und mit den Stand der Technik weiter entwickelt werden. In der Ausbildung zu den Befähigungszeugnisse sind alle einschlägigen Rechtsnormen, insbesondere die im Internationalen Übereinkommen über Normen für die Ausbildung, die Erteilung von Befähigungszeugnissen und den Wachdienst von Seeleuten (STCW 95) festgelegten Mindestanforderungen einzuhalten. Dem von STCW 95 geforderten Erwerb von Fertigkeiten (skills) für den Borddienst ist durch das Angebot von geeigneten Übungen in ausreichender Breite Rechnung zu tragen.
  2. Die Lehrkräfte sollen für ihre Aufgabe qualifiziert sein und ihre Arbeitskraft im Rahmen ihrer Lehrverpflichtung weitgehend ausschließlich auf die Lehre und die Betreuung der Studenten verwenden. Diese Zielsetzung schließt die Verpflichtung zur eigenen Fort- und Weiterbildung ein.
  3. Die Lehrenden am Fachbereich, soweit sie in der Ausbildung für die Befähigungszeugnisse tätig sind, sollen den Kontakt mit der maritimen Wirtschaft in angemessenem Rahmen suchen und pflegen, um in der Lage zu sein, die Ausrichtung der Lehre den Anforderungen der Praxis ständig anzugleichen. Maßstab für dieses Ziel ist die in der Qualitätsplanung entwickelte Struktur der fachlichen Zuständigkeitsbereiche.
  4. Die Ausübung von Forschungstätigkeit insbesondere auf den in der Lehre vertretenen Fachgebieten wird ausdrücklich als eine die Lehre und Lehrenden qualifizierende Maßnahme gefördert. Die Einbeziehung der Studenten sollte gefördert werden.


Arbeit und Erfahrungen mit dem Qualitätsmanagementsystem

Ich möchte jetzt einige Aussagen über die Arbeit mit dem Qualitätsmanagementsystem und somit auch über die Bilanz der Arbeit mit dem Qualitätsmanagementsystem vornehmen. Dazu möchte ich darauf verweisen, dass der Fachbereich das Zertifzierungsaudit, das 1. und 2. Überwachungsaudit erfolgreich absolvieren konnte.
Im nächsten Jahr steht die Zertifizierung zur Verlängerung des Zertifikates an. Hier wird sich zeigen, wie es der Fachbereich gewährleisten kann, langfristig mit einem Qualitätsmanagementsystem zu arbeiten.

Welche Bilanz kann man nun ausgewiesen werden.
Dazu sollte man auf die Veränderungen verweisen, die sich im Rahmen der Einführung des Systems ergaben.
So wurden auf der Basis der internationalen und nationalen Forderungen hinsichtlich der Vermittlung der notwendigen Lehrinhalte die Curricula für jedes Lehrgebiet dokumentiert. Es erfolgte eine konkrete Zuordnung der Lehrinhalte der STCW und der StAK auf die vorhandenen Lehrgebiete. Für die Aktualität ist jede Lehrkraft verantwortlich. Änderungen werden durch den FB-Sprecher/stellv. FB-Sprecher bestätigt.

Zur Qualifizierung der Lehre ist es notwendig, nachzuweisen, wann und wie die vorgegebenen Lehrinhalte vermittelt werden. Hier darf natürlich nicht die Freiheit der Lehre eingeschränkt werden. Aus diesem Grund liegt die Verantwortung bei der jeweiligen Lehrkraft (Professor).
Die Lehrkraft muss nachweisen, wie sie den Forderungen nach Vermittlung der Lehrinhalte, Durchführung von Prüfungen und Abschlussarbeiten nachkommt.
Die Audits durch die GLC-GmbH haben gezeigt, dass diese Forderung durch die Lehrkräfte gut realisiert wird.
Neben der Dokumentation bei der Lehrkraft erfolgt auch eine semesterweise Dokumentation in der Studienorganisation des Fachbereiches.
Die Arbeit des Praktikantenbeauftragten ist für die Realisierung der Qualitätsziele von großer Bedeutung. Dazu wird Herr Ziemer in seinem Vortrag ausreichend Stellung nehmen.
Hier sei nur soviel gesagt, dass die Punkte

  • Vorbereitung und Durchführung des Praktikums,
  • Vorhalten von potentiellen Praktikumsbetrieben (Reedereien) und
  • die Überprüfung der Qualität der Ausbildung an Bord

am Fachbereich stark verbessert worden sind.

Schwerpunkte der Verbesserung bilden weiterhin die Gewährleistung der der Aktualität der verwendeten Unterlagen in der Lehre. Hier trägt die Lehrkraft eine hohe Verantwortung bei der Realisierung dieser Forderung.
Dabei müssen erforderliche Mittel durch die Verwaltungsleiterin in den Haushalt eingestellt werden. Hier zeigt sich auch die Einbindung der Verwaltung in den Prozess der Ausbildung. Dies ist auch in Anbetracht der der Lage der öffentlichen Haushalte nicht immer einfach.

Sicher haben wir auch Reserven am Fachbereich, um Verbesserungen zu erreichen. Diese beziehen sich auf:

  • die ständige Qualifizierung der Curricula. Hier muss unabhängig von den nationalen und internationalen Vorgaben der jeweils neuste Stand seinen Ausdruck finden. Jede Lehrkraft muss sich eigene Ziele setzen muss um dieser Forderung zu genügen.
  • die Qualität der Weiterbildung. Auch hier müssen die Vorgaben für die Entwicklungsplanung lt. QM-System konsequent eingehalten werden. Hier sind wir schon auf dem richtigen Weg. Verweisen möchte ich auf die Entwicklung und erfolgreiche Durchführung von Lehrgängen für die Lotsenbrüderschaft Wismar/Rostock/ Stralsund. Diese Lehrgänge wurden in enger Zusammenarbeit bei der Planung und Durchführung realisiert.
  • die Überführung der F/E-Ergebnisse in die Lehre und Weiterbildung. Diese muss in Zukunft verbessert werden.

Weitere Verbesserungspotentiale sehe ich in den folgenden Bereichen:

  • Überarbeitung der Qualitätsziele. Dabei ist die Überprüfbarkeit der Erfüllung dieser Ziele zu gewährleisten,
  • Stabilisierung der Studentenzahlen als ein wichtiges Ziel,
  • Qualität der internen Audits zur Einschätzung des Standes der Arbeit mit dem Qualitätsmanagementsystem und
  • Qualifizierung der Studentenbefragung, damit eine objektivere Auswertung erfolgen kann.

Abschließend kann gesagt werden, dass die Bilanz der Ausbildung unter den Bedingungen der Zertifizierung als positiv eingeschätzt werden kann.
Sicher kann man erst in den kommenden Jahren, nach umfangreicher Auswertung der Prüfungsergebnisse konkrete Aussagen zur Qualität der Absolventen treffen.
Schwierig gestaltet sich auch eine Befragung der Firmen die unsere Absolventen einstellen.
Eines ist jedoch sollte allen klar sein, das Qualitätsmanagementsystem am Fachbereich Seefahrt kann nur so gut sein, inwieweit es die Mitarbeiter es verstehen, es akzeptieren und es mit Leben erfüllen.

Dann kann der QMB mit ruhigem Gewissen an das kommende Audit zur Verlängerung des Zertifikates herangehen und keine Sorgen haben, dass dem Fachbereich dieses Zertifikat verwehrt werden wird.