Beitrag 02

Nautiker in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes

Hartmut Hilmer
Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord


Einleitung

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes umfasst im weiteren Sinne die Wasser- und Schifffahrtsdirektionen, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie sowie die Seeberufsgenossenschaft.

In diesem Referat soll allein auf die Berufsperspektiven für Nautiker in den Wasser- und Schifffahrtsdirektionen Nord und Nordwest eingegangen werden. Der Begriff Nautiker umfasst hier sowohl die weiblichen als auch die männlichen Fachleute.

Die Seefahrt stellt eines der interessantesten Berufsbereiche dar. Viele junge Leute erweisen unter anderem großes Interesse am Beruf des Nautikers. Dies zeigen die Anfragen bei verschiedenen Institutionen. Verbunden damit sind jedoch sehr häufig die weiteren Perspektiven. Welche weiteren Einsatzbereiche gibt es für Nautiker, insbesondere auch an Land?

Die Öffentlichkeit setzt Nautik oft gleich allein mit Navigation. Dabei bedeutet der Begriff Nautik insgesamt die Lehre der Seefahrt, die eine große Bandbreite der verschiedenen Wissensgebiete beinhaltet. Somit sind Nautiker in allen Bereichen der Schifffahrt einsetzbar.

Aufgabe der Wasser- und Schifffahrtsdirektionen (WSD´en) ist es

  • die Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs zu gewährleisten und zu fördern,
  • die maritime Umwelt vor Gefahren von der Schifffahrt zu schützen und
  • die Bundeswasserstrassen in einem für die Schifffahrt erforderlichen Zustand zu halten.

Diese Aufgabe erfordert insbesondere den Sachverstand von Nautikern. Die WSD´en haben dies frühzeitig erkannt und den nautischen Bereich kontinuierlich ausgebaut. Viele Dienstposten sind daher mit diesen Fachleuten besetzt. Nachfolgend werden die Einsatzmöglichkeiten eingehend beleuchtet.


Einsatzbereiche für Nautiker

Die Fachleute werden in allen Ebenen der Behörde eingesetzt.

  • in den Verkehrszentralen als Nautiker vom Dienst und Nautische Assistenten
  • auf den schwimmenden Fahrzeugen als Schiffsführer und nautische Offiziere
  • in den Wasser- und Schifffahrtsämtern als nautische Sachbearbeiter (Amtsnautiker und Assistent) und Sachbereichsleiter
  • in den Seeämtern als ständige Beisitzer
  • in den Wasser- und Schifffahrtsdirektionen als nautische Sachbearbeiter (erster, zweiter und dritter Nautiker) und
  • im Bundesministerium für Verkehrs, Bau- und Wohnungswesen als nautische Sachbearbeiter.

Qualifikationen für die einzelnen Einsatzbereiche

  • Schadstoffunfallbekämpfungsschiffe

    Bei diesen Schiffen handelt es sich um seegängige Mehrzweckfahrzeuge, die im Routinebetrieb mit den unterschiedlichsten Tätigkeiten befasst sind. Es werden Tonnen verlegt, Messarbeiten und Aufsichtsfahrten durchgeführt, Transportaufgaben übernommen, als Taucherbasisschiff fungiert, Verschleppungen vorgenommen und vieles mehr.

    Bei Schiffs- oder Schadstoffunfällen werden sie zur Bekämpfung eingesetzt. Die Spezialfahrzeuge verfügen über Schadstoffbekämpfungseinrichtungen, Hospital, Kran, z.T. Hubschrauberlandedeck und Schleppeinrichtungen.

    Der Kapitän eines Schadstoffunfallbekämpfungsschiffes muss im Besitz eines Kapitänspatentes nach STCW und zusätzlich eines fachbezogenen Fachhochschulabschlusses sein.

    Die nautischen Offiziere an Bord dieser Schiffe haben die Qualifikation zum Kapitän nach STCW (FS-Abschluss).

  • Tonnenleger

    Diese Fahrzeuge werden, wie aus dem Namen schließen lässt, primär für Tonnenarbeiten eingesetzt. Sie können jedoch auch für andere Aufgaben herangezogen werden, wie z.B. Bergungsarbeiten, Aufsichts- und Transportfahrten. Darüberhinaus werden sie bei Schiffsunfällen oder besonderen Ereignissen herangezogen.

    Die Kapitäne sind Inhaber des Kapitänspatentes nach STCW und eines fachbezogenen Fachhochschulabschlusses oder eines Kapitänspatentes STCW (FS-Abschluss). Die nautischen Offiziere haben das Kapitänspatent (FS-Abschluss).

  • Aufsichtsfahrzeuge, Peilschiffe, Fährschiffe

    Aufsichtsfahrzeuge im eigentlichen Sinne gibt es heute kaum noch. Die verbliebenen werden in erster Linie als Sicherungsfahrzeuge bei Bauarbeiten, Unfällen, außergewöhnlichen Schleppverbänden und außergewöhnlich großen Fahrzeugen eingesetzt. Darüberhinaus übernehmen sie in kleinerem Umfang Transport- und Aufsichtsaufgaben.

    Peilschiffe sind primär mit der Vermessung der Fahrwasser befaßt. Sie können zeitweise jedoch auch analog der Aufsichtsfahrzeuge eingesetzt werden.

    Eigene Fährschiffe hat die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord nur auf dem Nord-Ostsee-Kanal in verschiedenen Größen. Es wird angestrebt, nur noch die größeren Fähren mit Nautikern zu besetzen.

    Voraussetzung zum Führen dieser Fahrzeuge ist das Kapitänspatent (FS-Abschluss).

  • Verkehrszentralen

    Verkehrszentralen führen die Maritime Verkehrssicherung durch. Das geschieht in Form des Informations-, Verkehrsunterstützungs- und Verkehrsregelungsdienstes. Im Gegensatz zum Informations- und Verkehrsregelungsdienstes wird der Verkehrsunterstützungsdienst einerseits vom VkZ-Personal durch Hinweise und Warnungen, andererseits unter bestimmten Voraussetzungen von Lotsen durch Empfehlungen im Rahmen des Seelotsgesetzes durchgeführt. Die Verkehrsregelung geschieht in Form von Verwaltungsakten (Verfügungen, Befreiungen, Genehmigungen). Gerade aufgrund der letzten Maßnahme ist der Nautiker vom Dienst mit allen strom- und schifffahrtspolizeilichen Befugnissen betraut.

    Sollten die vorstehend genannten restriktiven Maßnahmen nicht greifen, stehen dem Nautiker vom Dienst in erster Linie die Wasserschutzpolizei, der Bundesgrenzschutz und der Zoll als Vollzugskräfte zur Seite. Bei Bedarf wird auch auf die eigenen Vollzugskräfte zurückgegriffen.

    Über diese präventiven Maßnahmen hinaus leiten die Verkehrszentralen bei Unfällen oder besonderen Ereignissen unverzüglich alle Sofortmaßnahmen zur Rettung und Bergung von Menschenleben, zur Verkehrssicherung und zum Schutze der maritimen Umwelt ein.

    Verkehrszentralen stehen in ständigem und direktem Kontakt mit der Schifffahrt und stellen daher das ordnungsausführende Organ der Strom- und Schifffahrtspolizeibehörde (WSD´en, WSÄ) dar.

    Die Einrichtungen sind 24-Stunden besetzt und in drei Wachen aufgeteilt. Jede Wache ist mit einem Nautiker vom Dienst als Wachleiter und ein bis drei Nautischen Assistenten besetzt. Die Dienst- und Fachaufsicht hat der Leiter der Verkehrszentrale.

    Die Philosophie der Maritimen Verkehrssicherung lautet: So wenig Verkehrsregelung wie möglich, aber soviel wie für die Gesamtverkehrssicherheit nötig.

    Um die Eingriffe wirklich gering zu halten, ist ein umfangreiches nautisches Fachwissen und ein gehöriger Erfahrungsschatz erforderlich. Daher sind folgende Qualifikationen für den Dienst in einer VkZ erforderlich:

    Leiter der VkZKapitänspatent nach STCW mit zusätzlichem fachbezogenem FHS-Abschluss
    Nautiker vom DienstKapitänspatent nach STCW mit zusätzlichem fachbezogenem FHS-Abschluss
    Nautischer Assistent
    (auch Schleusenmeister am NOK)
    Kapitänspatent nach STCW (FS-Abschluss)

  • Wasser- und Schifffahrtsämter

    Die Wasser- und Schifffahrtsämter stellen die Ausführungsebene dar. Ihnen sind bestimmte örtliche Bereiche zugeordnet, die sie strom- und schifffahrtspolizeilich betreuen. Den schifffahrtspolizeilichen Teil übernehmen in der Regel die nautischen Büros des Sachbereiches 3 (am NOK Sachbereich 4).

    Der Amtsnautiker (1. Nautischer Sachbearbeiter) ist der zuständige Fachmann für diese Aufgaben. Hier werden alle Entscheidungen getroffen über verkehrliche Maßnahmen, amtsinterne Konzepte entwickelt, die Fachaufsicht über die Verkehrszentralen und teilweise über die Fahrzeuge durchgeführt, Kapitäne von der Lotsenannahmepflicht befreit und die entsprechenden Prüfungen abgenommen.

    Zusammen mit der WSD nehmen sie die Lotsenprüfungen ab und sind in verschiedenen Arbeitsgruppen an der überregionalen Konzeptentwicklung beteiligt.

    Dem Amtsnautiker stehen in der Regel ein weiterer Nautiker und eine Verwaltungskraft als Assistenten zur Seite.

    Voraussetzung für den Dienst als Amtsnautiker ist auch hier das Kapitänspatent nach STCW mit einem zusätzlichen fachbezogenen FHS-Abschluss.

    Der Assistent hat das Kapitänspatent nach STCW (FS-Abschluss).

  • Seeämter

    Nach der Neuregelung der Seeunfalluntersuchung ist die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung für die Unfallursachenermittlung zuständig. Den Seeämtern der WSD´en obliegt es, das evtl. fehlerhafte Verhalten der Beteiligten festzustellen und bei Erfordernis die Fahrerlaubnis zu entziehen bzw. Fahrverbote auszusprechen.

    Geleitet werden die Seeämter von einem Juristen als Vorsitzenden. Der ständige Beisitzer ist ein Nautiker, der die nautisch fachliche Seite der Untersuchung abdeckt und als Geschäftsführer des Seeamtes fungiert.

    Qualifikationsvoraussetzung für die Tätigkeit des ständigen Beisitzers ist das Kapitänspatent nach STCW mit zusätzlichem fachbezogen FHS-Abschluss.

  • Wasser- und Schifffahrtsdirektionen Nord und Nordwest

    Die Wasser- und Schifffahrtsdirektionen üben als Mittelbehörde die Aufsicht über die ihnen zugeordneten Wasser- und Schifffahrtsämter aus. Sie entwickeln überregionale Konzepte und führen diese zur Umsetzung ein. Daneben stellen sie ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, der Privatwirtschaft, anderer Behörden und den Wasser- und Schifffahrtsämtern dar.

    Nautiker werden im Dezernat Schifffahrt eingesetzt. Sie entwickeln nautische Konzepte für die WSÄ und die VkZ´n und sorgen für eine einheitliche Behandlung der Schifffahrt. Fragen und Probleme hinsichtlich der Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs und des maritimen Umweltschutzes werden von ihnen bearbeitet.

    Nicht nur national, sondern auch international sind die WSD-Nautiker in verschiedenen Gremien der Europäischen Union (EU), der International Maritime Organisation (IMO), der International Assosiation of Aids to Navigation and Lighthouse Authorities (IALA) und der Helsinki-Kommission (HELCOM) tätig.

    In den WSD´en sind ausschließlich Nautiker des gehobenen Dienstes beschäftigt. Dies setzt das Kapitänspatent nach STCW mit einem zusätzlichen fachbezogenen FHS-Abschluss voraus.

  • Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen

    Die Wasser- und Schifffahrtsdirektionen gehören zum Geschäftsbereich des BMVBW. Somit besteht für Nautiker die Möglichkeit zum Wechsel in das Ministerium.

    Auch hier sind die Nautiker überwiegend im gehobenen nautischen Dienst eingesetzt. Die Qualifikationsanforderungen sind das Kapitänspatent nach STCW mit einem fachbezogenen FHS-Abschluss.


Einstufung in die verschiedenen Dienste

Im Öffentlichen Dienst gibt es verschiedene Laufbahnen, in denen ein Bewerber eingestuft werden kann. Mann unterscheidet nach dem einfachen, mittleren, gehobenen und höheren Dienst.

Während Nautiker mit dem Kapitänspatent nach STCW und einem zusätzlichen fachbezogenen FHS-Abschluss grundsätzlich in den gehobenen nautischen Dienst eingestuft werden, erfolgt der Einsatz von Nautikern mit einem Kapitänspatent nach STCW (FS-Abschluss) im mittleren nautischen Dienst. Diese Einstufung ist nach den Vorschriften fest vorgegeben und können nicht umgangen werden.

Aufstiege innerhalb der einzelnen Dienste sind möglich und zum großen Teil auch vorgesehen. Der Wechsel von einem Dienst in den nächst höheren gestaltet sich dagegen gerade bei Nautikern etwas schwieriger, sind jedoch prinzipiell nicht ausgeschlossen.

Der Wechsel vom mittleren nautischen Dienst in den gehobenen ist vorgesehen. Die Voraussetzungen und die erforderliche Zusatzausbildung werden derzeit von den WSD´en in Zusammenarbeit mit dem BMVBW erarbeitet.

Die Hürden für einen Aufstieg vom gehobenen in den höheren Dienst sind ungleich höher. Das BMVBW hat jedoch den Bedarf erkannt und arbeitet mit dem Innenministerium an einer Lösung.

Vorbereitung auf den Dienst in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSD´en und WSÄ)

Die Vorbereitung auf den Dienst in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung teilt sich in die Ausbildung des gehobenen und des mittleren Dienstes.

  • Nautiker für den gehobenen nautischen Dienst

    Das nautische Personal dieses Dienstes wird nach einem einheitlichen Konzept ausgebildet. Alle neueingestellten Nautiker beginnen ihre Laufbahn grundsätzlich in einer Verkehrszentrale. Aufgrund dieses Ausbildungskonzeptes stehen am Ende der Schulung der WSV universell einsetzbare Nautiker zur Verfügung, die die Möglichkeit haben, sich nach einer gewissen Erfahrungszeit auf gehobenere Dienstposten zu bewerben.

    Die Qualifikationsvoraussetzungen und die Kriterien des Aus- und Fortbildungskonzept für das nautische Personal in der WSV gehen weit über den internationalen Anforderung hinaus.

  • Nautiker für den mittleren nautischen Dienst

    Zur Zeit existiert noch kein endgültiges Konzept für die Ausbildung von Nautikern des mittleren Dienstes. Bewerber werden für den jeweils freien Dienstposten eingestellt und in den Wasser- und Schifffahrtsämtern individuell geschult.

    Das Personal, das für den Dienst in den VkZ´n vorgesehen ist nimmt an dem Basiskurs des gehobenen nautischen Dienst teil, ohne jedoch am Ende des Kurses abgeprüft zu werden.

    Ein Ausbildungskonzept analog zum gehobenen nautischen Dienst befindet sich zur Zeit in der Erarbeitung.


Ausbildungskonzept für den gehobenen nautischen Dienst

Jeder in den WSD´en neueingestellte Nautiker hat eine ca. einjährige Grundausbildung zu durchlaufen. Diese teilt sich in 3 Module auf:

  • Verwaltungslehrgänge

    In diesen 2-wöchigen Seminaren werden dem Personal eingehende Kenntnisse des öffentlichen Rechts, des Verwaltungsrechts und des Verwaltungshandelns vermittelt.

  • Behördenunterweisung

    In den Zeiträumen der sogenannten Behördenunterweisung wechselt der auszubildende Nautiker die Dienststellen. Er wird in die Tätigkeiten der WSD´en, der WSÄ, des Seeamtes, der VkZ´n und der schwimmenden Einheiten eingewiesen.

    Dieser Schulungsteil nimmt einen großen Zeitraum in Anspruch, wobei die Dienstzeit in den einzelnen Stellen variabel gestaltet werden kann.

  • Basiskurs

    Im Gegensatz zu den beiden bereits vorstehend aufgeführten Modulen, wurde dieser Kurs vor weinigen Jahren, unter anderem auch aufgrund internationaler Vorgaben, neu eingerichtet. Er teilt sich in zwei Abschnitte auf.

    • Maritime Verkehrssicherung

      In dem 5- bis 6-wöchigen VTS-Kurs (Maritime Verkehrssicherung) am "Vessel Traffic Service Simulator" (VTSS) des "Maritimen Simulations Centrums Warnemünde" (MSCW) werden die Grundsätze der Maritimen Verkehrssicherung, der Betrieb von VkZ´n und die strom- und schifffahrtspolizeilichen Grundzüge unterrichtet. Gefestigt werden diese gewonnenen Kenntnisse mit Übungen am Simulator. Der Kurs endet mit einer 2- bis 3-tägigen Prüfung.

    • Revierkurs

      Dieser ca. 3-monatige Kurs findet in den Verkehrszentralen statt, in denen die auszubildenden Nautikern zukünftig eingesetzt werden sollen. Hier werden ihnen die revierspezifischen Besonderheiten, Ortskenntnisse und Vorschriften vermittelt.

      Nach Absolvierung der Grundausbildung beurteilen die WSD die Eignung und entscheiden über eine Festanstellung.

      Mit der vorstehend beschriebenen Ausbildung erhalten die Nautiker des gehobenen nautischen Dienstes eine solide und einheitliche Grundlage, die ihnen und der Verwaltung einen breiten Einsatzbereich ermöglicht.

  • Fortbildungsmaßnahmen

    Nach den internationalen Richtlinien und Übereinkommen haben VTS-Operators ihre erlangte VTS-Qualifikation durch regelmäßige Schulungen aufrecht zu erhalten. Für das Personal der deutschen Verkehrszentralen werden daher zwei Formen der Fortbildung vorgesehen, von denen eine verbindlich ist:

    • Zyklische Seminare

      Das aktive VTS-Personal, unabhängig davon ob gehobener oder mittlerer Dienst, haben zur Aufrechterhaltung ihrer VTS-Qualifikation alle 2 Jahre ein einwöchiges Seminar hinsichtlich der Maritimen Verkehrssicherung zu absolvieren.

      Die Lehrgänge bestehen aus einem theoretischen und einem praktischen Teil mit Simulationsaufgaben. Der zeitliche Durchlauf aller VTS-Operators beträgt ca. 2 Jahre (Zyklus). Jeder Zyklus hat ein besonderes aktuelles Hauptthema.

      Im ersten Zyklus wurde die neu eingeführte Verwaltungsvorschrift der WSV 2408 eingehend vermittelt. Der auslaufende zweite Zyklus befasst sich mit dem Thema AIS und das Thema des bevorstehenden dritten Zyklus wird lauten: "Die WSV im neuen Kompetenzgefüge".

    • Allgemeine Fortbildungsseminare

      Allgemeine Fortbildungsseminare werden von der Sonderstelle des Bundes für Fort- und Weiterbildung angeboten und durchgeführt. Diese Lehrgänge sind nicht zwingend vorgeschrieben. Hier können sich Interessierte um einen Platz eines Lehrgangs bewerben. Die Themen beziehen sich auf alle Bereiche des öffentlichen Dienstes.


Nautikernachwuchs - Personalbedarf

  • Nachwuchsbedarf

    Wie in vielen Sekundärbereichen besteht in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung eine erheblicher Nachwuchsbedarf an Nautikern. Hervorgerufen wurde dieser Bedarf nicht nur durch Personalabgänge aufgrund von Ruhestand, sondern auch durch die Installation neuer Behörden und Dienststellen (Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung, Havariekommando/Maritimes Lagezentrum, neues Schadstoffunfallbekämpfungsschiff Ostsee, ...).

    Darüberhinaus ist die Fluktuation des Personals gestiegen. Wegen ähnlicher Probleme in anderen Institution des Sekundärbereiches kommt es teilweise zu Abwanderungen. Im Primärbereich (fahrende Schifffahrt) wurden die Konditionen verbessert, sodass die Bewerberzahlen insgesamt zurückgegangen sind.

  • Maßnahmen der Wasser- und Schifffahrtsdirektionen

    Die WSD´en haben die permanente Arbeitsgruppe "Fort- und Weiterbildung des nautischen Personals" mit der Entwicklung eines langfristigen Konzeptes zur Sicherung des nautischen Nachwuchses beauftragt.

    Die Arbeitsgruppe hat mittlerweile ihren ersten Teilbericht erstellt und den Auftraggebern vorgelegt. Es wurde in der Untersuchung festgestellt, dass sich die Anzahl der Nautiker insgesamt nicht reduziert hat, es zeichnet sich sogar eine leicht steigende Tendenz ab. Der Bewerbermangel scheint dadurch begründet, dass die Fachleute insbesondere im Primärbereich, aber im Sekundärbereich (landseitige Einsatzbereiche) durch verbesserte Konditionen stärker umworben werden.

    Da die WSD´en weiterhin auf das Fachwissen und die Erfahrungen von Nautikern setzen, schlägt die Arbeitsgruppe in ihrem Teilbericht I zum Beispiel folgende Sofortmaßnahmen vor:

    • Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit in diesem Bereich. Interessierte Fahrensleute und angehende Nautiker sollen besser und umfangreicher über die Möglichkeiten in den WSD´en und ihren WSÄ informiert werden.

    • Verbesserung der Personalbetreuung neu eingestellter Nautiker. Die WSD´en haben eigens für die Aus- und Fortbildung des nautischen Personals jeweils einen Ausbildungskoordinator (Nautiker) bestellt. Dieser kümmert sich um das Personal, organisiert und kontrolliert Ausbildungspläne und übt die Fachaufsicht hinsichtlich der Konzepteinhaltung aus. Darüberhinaus führt er das Personal durch die Schulungsmaßnahmen.

    • Optimierung der Planungssicherheit des Personals hinsichtlich ihres zukünftigen Einsatzortes. Die WSD´en bemühen sich durch langfristige Personalplanungen, den Bewerbern gleich zu Beginn ihrer Anstellung ihren zukünftigen Einsatzort zuzuteilen und die Wünsche der Bewerber dabei zu berücksichtigen.

Langfrist sind auch tariflich Verbesserungen anzustreben und herbeizuführen.

Sollte sich die Situation nicht verbessern, sind weitere Maßnahmen in Erwägung zu ziehen und zum Beispiel nautisch artverwandte Berufe ohne Qualitätsminderung einzubeziehen. Die Folge für die Verwaltung wäre eine längere, intensivere Ausbildung im nautischen Bereich. Je nautisch artentfernter der Beruf des Bewerbers, desto länger, umfangreicher und kostenintensiver wird die Ausbildung verlaufen.


Aufgaben der Nautiker in der WSV

  • Schwimmende Fahrzeug
    • Schiffsführung
    • Nautischer Wachdienst
  • Verkehrszentralen
    • Maritime Verkehrssicherung
    • Erteilung von Verkehrsinformationen
    • Erteilung von Verkehrsunterstützungen durch Hinweise und Warnungen
    • Erteilung von Verkehrsregelungen
    • Sofortmaßnahmen zur Unfallabarbeitung
  • Wasser- und Schifffahrtsämter
    • Fachaufsicht über den nautischen Bereich des WSA
    • Fachaufsicht über die VkZ
    • Entwicklung von amtsinternen Fachkonzepten
    • Mitwirkung an überregionalen Fachkonzepten
    • Stellungnahmen zu nautischen Fragen
  • Seeämter
    • Untersuchung fehlerhaften Verhaltens der Beteiligten an einem Seeunfall und Mitwirkung am Seeamtsspruch
    • Geschäftsführung des Seeamtes
  • Wasser- und Schifffahrtsdirektionen
    • Fachaufsicht über die nautischen Bereiche der WSÄ
    • Entwicklung von Fachkonzepten überregionaler Bedeutung
    • Stellungnahmen zu allen anfallenden nautischen Fragen
    • Mitwirkung an internationalen Abkommen und Konzepten im maritimen Bereich
  • Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen
    • Fachaufsicht über den gesamten Geschäftsbereich
    • Mitwirkung an der politischen Willensbildung
    • Mitarbeit in nationalen und internationalen Gremien
    • Überregionale Konzeptentwicklung

Schlussbemerkung

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes hat Nautikern einen interessanten und breitgefächerten Aufgabenbereich zu bieten, in dem nautisches Fachwissen und Engagement unverzichtbar sind.