Beitrag 25

Konzept AIDAvita - Technologien für mehr maritime Sicherheit und Umweltschutz

Dipl.-Ing. Kapitän Burkhard Müller
Director Fleet Services, Seetours- German Branch of P&O Princess Cruises International Ltd.


Grundlagen

Es gibt auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene zahlreiche Regelwerke, die den Umweltaspekt der Seeschifffahrt betreffen. An dieser Stelle sollen nur das MARPOL Übereinkommen und das Helsinki Übereinkommen (HELCON) angeführt werden. Das "Internationale Übereinkommen von 1973 zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe in der Fassung des Protokolls von 1978" (MARPOL 73/78) ist das bedeutendste internationale Regelwerk. Es ist einerseits Grundlage für nationale Gesetze und Vorschriften, anderseits werden durch nationales Recht MARPOL Regelungen vorweg genommen.

Zu den vier bestehenden Anlagen zum MARPOL Übereinkommen kommen die Bereiche Schiffsabwasser und Luftverschmutzung hinzu, wobei. Anlage IV territorial und Anlage VI bislang nicht in Kraft gesetzt wurde.


HELCON

Das "Übereinkommen von 1992 über den Schutz der Meeresumwelt des Ostseegebietes" behandelt im Gegensatz zum MARPOL Übereinkommen nicht nur die von Schiffen ausgehende Umweltverschmutzung, sondern auch landseitige Einträge.

In Anlage IV wird festgelegt, dass die HELCON Vertragsparteien die Bestimmungen des MARPOL Übereinkommens anwenden, in Bezug auf Abwasser (REGEL 5) werden detaillierte Vorgaben gemacht.

HELCON ist so ein Beispiel für die regionale Umsetzung des globalen MARPOL Übereinkommens.


Abfallmanagementtechniken

Die wesentlichsten Merkmale auf Seeschiffen sind:

  • Vermeidung und Reduzierung
  • Recycling
  • Trennung
  • Behandlung
  • Lagerung
  • Abgabe an Land
  • Einleiten in die See

Häufig rezyklierte Materialien auf Seeschiffen:

  1. Papier(Kartonagen, Schreibpapier, Zeitungen)
  2. Aluminium(Getränkedosen, andere Quellen)
  3. Glas(grün, braun, weiß)
  4. Eisen-Metalle(Schrott)
  5. Nicht Eisen Metalle, Kupfer(Kabel, Rohre), Zink
  6. Plastik
  7. Batterien
  8. Photo Entwickler etc.


Fakten zum Umweltschutz

SEETOURS als Betreiber von Passagierschiffen schenkt allen Fragen des Umweltschutzes beim Betrieb Ihrer Schiffe höchstes Augenmerk.

Als zertifiziertes Unternehmen entsprechend des International Safety Management Code (ISM) und mit einem Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9002 werden alle Umweltschutzvorschriften der IMO (MARPOL) und alle anderen internationalen und regionalen Vorschriften strikt erfüllt. Dementsprechend verfügen die Schiffe über alle notwendigen Zertifikate wie ISPP und IOPP etc…

Die Beachtung der internen Regeln des Umweltschutzes, manifestiert in den Schiffhandbüchern (shipboard manual) und die Beachtung der Vorschriften in der täglichen Arbeit an Bord wird durch den Offizier für Umweltschutz (staff-captain) überwacht. Er arbeitet direkt mit dem Umweltschutzbeauftragten des Unternehmens an Land zusammen

Von Anfang an wurde bei der Konzeption und beim Bau der AIDA´s auf die Umweltverträglichkeit aller Systeme und Anlagen als wesentliches Entscheidungskriterium geachtet.

  • Die Motorenanlage des Schiffes ist so ausgelegt und ausgerüstet, daß der Stickoxydausstoß (NOx) bei allen verwendeten Kraftstoffen und unter allen Wetterbedingungen minimiert wird.
  • Einsatz einer modernen biologischen Abwasseraufbereitungsanlage in der die Abwasser des Schiffes aufbereitet werden.
  • Die Reinigung technischer Abwasser erfolgt über modernste Öl- und Abwasseraufbereitungsanlagen zur Vermeidung von Ölverschmutzung.
  • Sparsamer Wasserverbrauch u. a. durch moderne Vakuumtoiletten, Einsatz von wassersparenden Armaturen, modernste wasser- und energiesparende Wäscherei- und Spülmaschinentechnik.
  • Installation eines hochmodernen integrierten Abfallmanagement-System (Multi Purpose Waste Management) der Firma DEERBERG, welches gewährleistet, daß kein Abfall einschl. Speisereste außenbords gegeben werden muß. Das System zeichnet sich durch hohe Flexibilität, max. Automation und vor allem minimale Umweltbelastung aus. Entsprechend den internationalen und regionalen Bestimmungen wird der jeglicher Müll sortiert, geschreddert, gelagert und an Land abgegeben oder verbrannt.
  • Beim Bau des Schiffes wurde auch der Energieeinsparung größtes Augenmerk geschenkt, z. B. weitreichender Einsatz von energiesparender Beleuchtung, Energieersparnis durch Enthalpiewärmeaustauscher, energiesparende Technik bei Klima- und Kühlanlagen und in der Küche durch zentrale Kühlung und Nutzung von Abwärme für Heiz- und Wärmezwecke.
  • Bei den eingesetzten Materialien wurde strikt auf Schadstofffreiheit geachtet, z. B. ozonverträgliche Kältemittel, halogenfreie Kabel, asbestfreie Isolierungsmaterialien etc…
  • Das verwendete Teakholz stammt aus Plantagenanbau.
  • Die Frischwasserversorgung des Schiffes erfolgt vollständig durch eigene Erzeugung von Frischwasser mit geringstem Energieverbrauch (Erzeugung durch Abwärme bzw. Osmose).
  • Die verwendeten Farben und Anstrichstoffe sind umweltverträglich, die Unterwasseranstriche erfüllen die strengen Vorschriften. TBT frei.
  • Einsatz von modernsten Pumpsystemen und Dosiereinrichtungen in der Wäscherei und Spülmaschinen, dadurch geringster Waschmittel- und Spülmittelverbrauch
  • Minimierung des Handtuchtausches durch Aufklärung und freie Entscheidung des Gastes
  • Konsequente Müllvermeidung speziell im Gastronomiebereich u. a. durch:
  • maximaler Einsatz von Großgebinden
  • Dispensersysteme für Bier, Softdrinks und Tischweine
  • (Faßware, wiederverwendbare bagin-box-Systeme, Weintanks)
  • weitgehendster Einsatz biologischer bzw. biologisch abbaubarer Reinigungs- und Putzmittel
  • weitgehender Einsatz von Recycling Papier für Druckerzeugnisse und Toilettenartikel

Im englischen MARPOL TEXT werden u.a. folgende Ausdrücke benutzt:

  • Waste - Sammelbegriff für feste und flüssige Abfälle
  • Garbage - Sammelbegriff für Abfälle
  • Waste water - Sammelbegriff für Abwässer aus Sanitär und Kammerbereich
  • (Sewage, black water) - Schwarzwasser (Fäkalabwasser)
  • (Grey water) - Grauwasser (Waschwasser etc.)
  • Oily residues - Sammelbegriff für ölhaltige Abwässer (Sludge, verschmutztes Bilgenwasser-Ballastwasser etc.)
  • Emissions - Sammelbegriff für gasförmige Emissionen (Abgase)


Umweltschutzstandards für Kreuzfahrtschiffe

  • Auf dem ICCL am 11.Juni 2001 wurden Umweltschutzstandards für Kreuzfahrtschiffe der Mitgliedsreedereien festgelegt. Seetours Branch of P&O als Teil des P&O Konzerns folgt den Beschlüssen des ICCL
  • Die Festlegungen im Einzelnen:
    • Foto-Entwickler-Lösung und Röntgen-Entwickler-Lösung werden an Bord gesammelt und einer entsprechenden Aufbereitungsstelle an Land zugeführt.
    • Ebenso werden Rückstände der Trockenreinigung wie Perchlorethylene oder chlorinhaltige Flüssigkeiten, kontaminierter Abfall und Filtermaterialien gesammelt und entsprechend den Bestimmungen des jeweiligen Hafens an Land entsorgt.
    • Mit Kopier-Toner- und Laser-Drucker-Patronen ist das Verfahren an Bord unserer Schiffe wie in den vorhergehenden Punkten.
      Da ein Öko-Test für Laserdrucker ergeben hat, das krebserregendes Benzol enthalten ist, werden diese Patronen speziell gesammelt und als Sondermüll abgegeben.
    • Medikamente, die nicht benutzt wurden bzw. das Verfallsdatum abgelaufen ist, werden an den Ausrüster zurückgeliefert.
    • Neonröhren, Batterien werden entsprechend den internationalen Vorschriften als Sonderabfall behandelt und für die Abgabe an Land angemeldet und entsorgt.
    • Asche aus der Verbrennungsanlage wird ebenfalls als spezieller Abfall behandelt und an Land entsorgt.
      Von der Möglichkeit des Testens der Asche und der Entsorgung in See machen wir keinen Gebrauch, da nach unserer Firmenansicht diese Tests keinen Sinn machen. Ein vierteljährlicher Test der Asche kann unmöglich eine Aussage darüber geben, ob die Verbrennungsrückstände der folgenden 3 Monate mit Schwermetallen behaftet sind oder nicht. Aus diesem Grund wird von der Entsorgung in See Abstand genommen.


Bilgenwasser und ölige Wasserrückstände

Unsere Schiffe sind entsprechend den MARPOL Vorschriften und den ICCL Standards mit Entöler ausgerüstet, die die geforderten Normen von 15 ppm erfüllen bzw. unter den geforderten Normen liegen. D.h., die an Bord installierten Entöler NFV 2000 PPT-BWS/MESB-5000 sind mit < 5 ppm angegeben.

Wastewater - Grau- und Schwarzwasser

  • Grauwasser: Grauwasser wird nur eingeleitet, wenn das Schiff in Fahrt ist (mindestens 6 kn Geschwindigkeit) und der Abstand zum Land > 4 NM ist. Dabei sind die lokalen Vorschriften sowie zutreffenden Gesetze zu beachten.
  • Schwarzwasser: Schwarzwasser wird nur eingeleitet, wenn das Schiff in Fahrt ist (mindestens 6 kn), wenn der Abstand vom Land größer als 4 NM ist, unter der Voraussetzung, dass das Schwarzwasser behandelt wurde (in der Regel eine Desinfizierung mit Chlor). Unbehandeltes Schwarzwasser kann, entsprechend den Vorschriften, ins Meer eingeleitet werden, wenn der Abstand zum Land, Korallenriffen oder festgelegten sensiblen Gebieten größer als 12 NM ist.

Dabei ist bei Grau- und Schwarzwasser darauf zu achten, dass die Einleitrate "gemäßigt" ist.


MARPOL IV

MARPOL IV - Verhütung der Verschmutzung durch Schiffsabwasser

Im Gegensatz zu den ICCL Standards, die auf unseren Schiffen Anwendung finden, ist MARPOL IV noch nicht in Kraft gesetzt. Bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. Deutschland, die Ostseeanliegerstaaten (HELCON) haben nur eine geringe Anzahl an Staaten und Reeder solche Standards festgeschrieben.

Für die Einleitung von Grauwasser schreibt der ICCL Standard eine höhere Geschwindigkeit vor als in MARPOL vorgesehen.