Beitrag 23

Treibhauseffekt - schwereres Wetter für die Seeschifffahrt im Ostseeraum ?

Dr. Reiner Tiesel


Der Treibhauseffekt bewirkt mit seiner globalen Erwärmung der Erdatmosphäre auch den Beginn der Verlagerung von Klimazonen.
Der allgemeine Anstieg der Jahresmitteltemperatur, in Rostock in den letzten 15 Jahren um 0.3 Grad, und die Häufung extrem heißer Sommer - allein in den letzten 10 Jahren traten die 6 heißesten Sommer der letzten 110 Jahre auf - deuten auf eine Verlagerung der subtropischen Hochdruckzone nach Norden hin. Aufgrund des enormen Wärmepotential der bei uns immer häufiger einfließenden feuchten und vertikal mächtigen südeuropäischen Warmluft, bilden sich neuerdings in unseren mitteleuropäischen Regionen wiederholt subtropische Gewitter mit kräftigen Sturmböen und wolkenbruchartigen Regenfällen aus. Das katastrophale Elbehochwasser in diesem Jahr, das auch fast Hamburg erfaßt hätte, ist ein Beleg dafür.

Auch die Ausbildung nur eines schweren Winters (1995/96) während der letzten 15 Jahre und der Trend zu einer gewissen Abnahme der Winterintensität seit den berüchtigten Kriegswintern spricht für den Treibhauseffekt.
Das Ausbleiben der recht windarmen und nebelträchtigen Eiswinter und gleichzeitig die Verstärkung der Westwinde in den Wintermonaten bewirken bei uns eine Zunahme der mittleren Windgeschwindigkeit. Und das, obwohl der relativ windschwache Azorenhochkeil im Sommer immer mehr Einfluß nimmt.

Durch den jetzt häufigeren Zusammenprall thermisch immer unterschiedlicher Luftmassen - auch bedingt durch wärmeres Ostseewasser - entstehen stärkere Wetterprozesse und damit ändert sich auch das Profil der Windböen.
Während seit 30 Jahren die Tage mit Starkwind und Sturm nachgelassen haben, hat sich im Zeitraum der starken Erwärmung der letzte 15 Jahre die Zahl der Tage mit orkanartigen Böen und Orkan erhöht.
Auch darauf ist es mit zurückzuführen, daß jetzt in der Ostsee wieder vermehrt Sturmfluten auftreten.

Fazit:
Verbunden mit dem Treibhauseffekt haben in unserer Seeregion Wettervorgänge, die auch die Seefahrt stark behindern - wie schwere Stürme bis Orkane, Sturmfluten und subtropische Gewitter mit Starkniederschlag - zugenommen. Andererseits zeigen Eiswinter und Tage mit Seenebel einen Trend zur Abnahme.