Beitrag 19

Versicherungsaspekte von Notaufenthalten - Garantiegestellung durch Versicherer?

Rolf-Jürgen Hermes,
PANDI SERVICES J. & K: Brons GmbH


Zusammenfassung

Durch den Aufenthalt eines Schiffes im Nothafen entstehen regelmäßig Risiken und Kosten. Diese gilt es abzusichern. Häufig genutztes Mittel dazu ist die Bürgschaft eines Versicherer des Schiffes. Dabei spielt der "Letter of Undertaking" (LoU) des P+I-Clubs, d.h. des Haftpflichtversicherers eine besondere Rolle.

Die Gestellung eines LoU liegt allein im Ermessen des P+I-Clubs. Sie ist u.a. auch davon abhängig, daß die abzusichernden Risiken und Kosten im Rahmen der P+I-Versicherung gedeckt sind. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die P+I-Versicherung keine Allgefahrendeckung gewährt, sondern grundsätzlich nur in den "Rules", d.h. den Bedingungen einzeln aufgeführte Risiken versichert.

Außerdem kann es zu Überschneidungen mit anderen Versicherungen, insbesondere der Kaskoversicherung kommen. Unter bestimmten Voraussetzungen müssen auch Ladungsbeteiligte, bzw. deren Transportversicherer an den Kosten im Nothafen partizipieren.

Zur Lösung der eventl. auftretenden Schwierigkeiten bietet es sich an, die Beteiligten und ihre Versicherer, bzw. deren Repräsentanten oder Experten frühzeitig in die Überlegungen hinsichtlich der zu treffenden Maßnahmen einzubinden. So sind sie in der Lage, Antworten auf die sich stellenden Fragen zu entwickeln und etwa erforderliche Vereinbarungen untereinander zu treffen, damit dann eine zügige Sicherheitsgestellung gewährleistet ist.


Möglichkeiten der Absicherung

  • Arrestierung des Schiffes und nachfolgende verwertung
  • Hinterlegung von Bargeld
  • Banbürgschaft
  • Bürgschaft eines P+I-Clubs (Club Letter of Undertaking)


Fragestellungen

  • Wie sieht die Garantie aus?
  • Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
  • Schlußfolgerungen


P+I-Club Letter of Undertaking?

  • Ermessen des P+I-Clubs Kein Anspruch!!
  • Prämienrückstände
  • Risiko im Deckungsumfang der P+I-Versicherung?


To:HERD
 Hafen Entwicklungsgesellschaft
 Rostock
 Ost-West-Straße 32
 18147 Rostock-Seehafen

05.11.02

Re.:Vessel: MV "Tern"
 Place / Date: Rostock 30.03.2001
 Berthing in Rostock
 Possible Pollution Damages/Damages to Port Installations

LETTER OF UNDERTAKING

In consideration of your allowing the berthing of the above ship in the port of Rostock, we

Assuranceforeningen GARD - Gjensidig -

hereby agree to pay to you such sum or sums as may be adjugded by a competent court or arbitration tribunal or agreed between the parties with our consent to be due to you from the owners of the above ship in respect of the above matter, provided always that our liability hereunder shall not exceed the sum of

USD 100.000,-
(in words: US Dollars onehundredthousand),

inclusive of interest and costs.

This undertaking is given without prejudice to any rights or defences of the owners of the above ship, including their right to limit liability.

It is agreed that the County Court (Landgericht) of Rostock shall be the competent court of jurisdiction in respect of any claim secured by this Letter of Undertaking and that German law is to apply exclusively.

This undertaking shall be governed by German Law and any dispute arising hereunder shall be subject to the jurisdiction of the County Court (Landgericht) of Rostock and German law is to apply exclusively.

PANDI SERVICES J.& K. Brons GmbH

RA. Hermes       R. H. Hörnicke

for and an behalf of Assuranceforeningen GARD - gjensidig -


P+I-Versicherung Gedeckte Risiken

(Auswahl)

  • Personal injury to or illness or loss of life of crew members
  • Personal injury to or loss of life of stevedores
  • Personal injury to or illness or loss of life of passengers and others
  • Loss off personal effects
  • Diversion expenses
  • Life salvage
  • Collision Liabilities (1/4 - 4/4)
  • Loss or damage to property other than cargo
  • Pollution
  • Towage contact liabilities
  • Liabilities under contracts
  • Wreck liabilities
  • certain expenses of salvors
  • Legal costs
  • "Omnibus" cover


Relevante Deckungs-Grundsätze

  • Keine Allgefahrendeckung gem. z. B. AHB, sondern Versicherung der Einzelrisiken (-named perils-)
  • Subsidiarität ggü. anderen Deckungen!


Schlußfolgerung

Frühzeitige Einbindung der beteiligten Versicherer und ihrer Repräsentanten / Experten